01. April 2019

Cloud Computing – Macht NoOps den IT-Betrieb bald überflüssig?

emily-morter-188019-unsplash

Während viele Unternehmen noch damit beschäftigt sind, im Rahmen ihrer agilen Transformation eine DevOps-Kultur einzuführen, entwickelt sich im Tooling-Bereich schon der Begriff NoOps, um weitere Schritte auf dem Weg zur vollständigen Automatisierung im Software-Betrieb zu beschreiben. Braucht es in Zukunft überhaupt noch ein Operations-Team?

Der Begriff DevOps beschreibt die Konvergenz der unterschiedlichen Kulturen in Entwicklungs- und Betriebsabteilungen von Unternehmen. Während die Entwicklerinnen und Entwickler (Dev) dank der «agilen Revolution» schnelle Entwicklungszyklen verinnerlicht haben und gewohnt sind, immer mit dem «latest & greatest» Toolset zu arbeiten, sind Betriebsabteilungen (Operations-Ops) traditionell konservativ eingestellt. Dies ist auch nötig, da sie nicht nur den nächsten Sprint im Kopf haben, sondern typischerweise den gesamten Software-Lifecyle über viele Jahre unterstützen müssen.

 

Von DevOps zu NoOps

DevOps versucht nun, diesen krassen kulturellen Konflikt zu entschärfen, indem die strikten organisatorischen Grenzen zwischen den beiden Gruppen aufgehoben werden. Neben Entwicklern arbeiten Kollegen aus den Operations im Rahmen dedizierter Projektteams zusammen und nutzen die gleichen Werkzeuge. In guten Teams entwickelt sich so ein Verständnis für die Anforderungen der jeweils anderen Gruppe. Aus diesem Verständnis können Lösungen erwachsen, die für alle Beteiligten Vorteile bieten. Infrastruktur kann auf die gleiche effiziente Art und Weise betrieben werden, wie im Bereich der Software-Entwicklung Build-Artefakte gebaut werden (Infrastructure as code).

Konkretes Ergebnis der DevOps-Methode sind heute vollständig automatisierte Build Pipelines. Mit deren Hilfe werden Deployment-Prozesse vom Code bis zur Produktivsetzung automatisiert und in jedem Build-Schritt Feedback an die Entwickler generiert, das wiederum zur weiteren Verbesserung der Pipelines verwendet werden kann.

NoOps ist nun die konsequente Anwendung und Fortsetzung dieser Prinzipien, die DevOps in die Unternehmen gebracht hat. Hat man eine standardisierte Plattform (im Sinne einer PaaS-Umgebung), so können Build Pipelines ohne weiteres Zutun von DevOps-Spezialisten entwickelt und genutzt werden. Plattformen wie Red Hat’s OpenShift, spezialisierte Cloud-Anbieter wie Heroku oder auch die grossen Hyperscaler wie AWS, Microsoft Azure oder Google Cloud Services bieten genau diese standardisierten Plattformen. Sie ermöglichen es Unternehmen, mittels vollständig automatisierter Produktionsprozesse in der IT auf traditionelle Operations-Abteilungen zu verzichten. Dabei wird der gesamte Lifecycle abgebildet, vom Deployment über das Monitoring & Reporting, die automatische Störungsbehebung bis hin zur Dekommissionierung.

 

Ist NoOps das Ende der Operations?

Auch wenn es auf den ersten Blick so aussieht, werden die Operations-Abteilungen nicht aussterben. Die NoOps-Philosophie funktioniert überall, wo man innerhalb der PaaS-Services bleibt, aber gerade im Enterprise-Umfeld wird es auch weiterhin allerlei Spezialitäten geben, die eben nicht in einem Script abgehandelt werden können.

Man denke hier nur an die Netzwerkintegration von Hybrid Clouds, die Anbindung der reichlich vorhandenen Legacy Systeme oder die Umsetzung der Anforderungen aus dem Governance-, Risk- oder Compliance-Bereich. Auch die Integration von Multi-Cloud-Architekturen wird die Operations-Teams noch einige Zeit beschäftigen.

NoOps ist ohne Zweifel der nächste Schritt in der Evolution der Cloud Offerings. NoOps wird aber sicher nicht die Operations-Abteilungen überflüssig machen. Dafür ist Enterprise IT im Ganzen gesehen zu komplex, und wird es auch noch einige Zeit bleiben.


Bernd  Leinfelder
Bernd Leinfelder

Bernd Leinfelder ist seit 2016 System Architekt bei ti&m. Er verfügt über langjährige Erfahrungen in Softwareentwicklung und System Engineering. Neben seiner Tätigkeit bei ti&m leitet er den Fachbereich Enterprise Computing an der Fernfachhochschule Schweiz und doziert dort zu Robustheit und Wartbarkeit verteilter Software. Er hält diverse Zertifizierungen in den Bereichen Cloud Computing, IT-Security und IT-Audit.

Weitere Beiträge

Building an Efficient Chat Tool Prototype<br/>
ManMachine: Building an Efficient Chat Tool Prototype

Artificial Intelligence (AI) has been a major theme in the last decade and numerous big companies have invested a lot of effort into the technology. Within the scope of our last ti&m garage project, we too developed a small but efficient chat tool prototype for a big company in Switzerland.

Mehr erfahren
Trust 750x410
Assurance nach ISAE 3000 für das ti&m Hosting

ti&m hat das Hosting nach dem ISAE 3000 Standard auf Wirksamkeit der FINMA Rundschreiben RS 2018/3 RS 2008/21 prüfen lassen. Im Interview erklärt Karsten Burger, und Head Innovation Hosting & Application Management bei ti&m, die Hintergründe und welche Vorteile ti&m-Kunden davon bekommen. Zudem gibt er einen Einblick in die Erfolgsgeheimnisse des Hostings von ti&m.

Mehr erfahren
Karin_Mathys_lead
Die digitale Transformation verändert Verhalten und Erwartungen der Kunden

Nach und nach verlagern sich Teile der Customer Journey in den digitalen Kanal. Trotzdem bleibt die persönliche Beratung für den Kunden wichtig. Um die konkreten Erwartungen zu erfüllen, müssen Unternehmen bei der Gestaltung ihres Angebots die Kunden und ihre Bedürfnisse ins Zentrum stellen.

Mehr erfahren
2017_06_Rimle-Postauto
Autonome Postautos: unterwegs mit der Zukunft

Autonome Fahrzeuge // Die autonomen Postautos haben keinen Fahrer und können dank ihrer leistungsfähigen Sensoren problemlos navigieren. Zum ersten Mal testet ein Unternehmen diese Technologie in der Schweiz im öffentlichen Raum.

Mehr erfahren
Why Large Companies Need Small Garages
Why Large Companies Need Small Garages for Their Digitization Initiatives

Many established companies face the challenge of digitization and possible disruption by innovative startups or new market entrants.

Mehr erfahren