16. Mai 2019

Ecosysteme – die Wettbewerbsarena der Zukunft?

Fischbach_Special

Bereits bahnt sich die nächste Stufe im Wettstreit um den Kunden an: Welcher Anbieter kann künftig die vielbeschworene Customer Experience und damit die Fokussierung auf die Kundenbedürfnisse bieten?

Die technologische Unterstützung im Alltag wird künftig auch im komplexeren Umfeld Einzug finden. Und so werden Kunden künftig z. B. beim Hauserwerb abgestimmt auf deren Bedürfnisse umfassender begleitet – von der Haussuche bis zum Einzug. Das Geschäftsmodell der Banken mit der Gewährung von Hypotheken reicht hierfür nicht mehr aus. Ecosysteme bieten die Antwort auf solche unternehmens- und branchenübergreifende Lösungen: Durch ein zentrales Unternehmen orchestriert, ermöglichen diese ein umfassendes, ineinandergreifendes Angebot verschiedener Anbieter von branchenübergreifenden Teilleistungen. Dank der technologischen Möglichkeiten kann dieses flexibel und dynamisch an die situativen Anforderungen des Kunden angepasst werden. Das Resultat für ist ein Hauserwerb-as-a-Service! Vor allem innovative Technologien wie künstliche Intelligenz oder Distributed Ledger Technology gelten häufig als Voraussetzung für Ecosysteme. Diese Technologien können Ecosysteme künftig besser unterstützen. Die Herausforderung im Aufbau von Ecosystemen liegt jedoch nicht primär in der Technologie, sondern im Erfordernis, alle Teilleistungen im Sinne einer optimalen Customer Experience zusammenzustellen und zu kombinieren.

Neue Kompetenzen für Vertrieb und Organisation gefordert

Ecosysteme basieren nicht auf heutigen wettbewerbsorientierten Grundsätzen, sondern verlangen nach neuen Kompetenzen, die erlernt und erprobt werden müssen:

• Kundenzentrierung: Ecosysteme sind entlang von Kundenbedürfnissen formuliert. Die Anbieter ordnen sich so um das Kundenbedürfnis an, dass eine dynamische, auf die Customer Journey ausgelegte Gesamtlösung entsteht.

• Branchenübergreifend: Kundenbedürfnisse kennen keine Branchengrenzen. Branchenübergreifende Kenntnisse müssen aufgebaut und gemeinsam mit Dienstleistern anderer Branchen kombiniert werden.

• Coopetition: Ecosysteme sind mehr als ein Marktplatz. Mit übergreifenden Governance- und Integrations-Mechanismen müssen Einzelleistungen im Sinne des Kunden integriert werden.

• Ecosystem-Mindset: Das Denken in Ecosystemen steht im klaren Gegensatz zur klassischen Produkt-zentrierten Denkweise. Mitarbeiter müssen in dieses Konzept eingeführt werden und Management-Systeme sind anzupassen.

• Kollaboration: Ecosysteme erfordern mehr als statische Zusammenarbeitsverträge und SLAs. Es geht darum, gemeinsam schnell auf sich ändernde Anforderungen reagieren zu können und Ecosysteme gemeinsam weiterzuentwickeln.

• Offene Systeme: Branchenübergreifende Zusammenarbeit und dynamische Kundenbedürfnisse rufen das Zeitalter modularer, interoperabler Spezialsysteme aus. Die Offenheit und Integrationsfähigkeit sind hierzu wichtige Voraussetzungen.

Die nächste Wettbewerbsgeneration fokussiert auf Werte

Der fast ausschliesslich auf Preis fokussierte Wettbewerb geht heute an den Kundenbedürfnissen vorbei. Der künftige Wettbewerb findet viel weiter vorne in der Wertschöpfungskette statt: Dort, wo die Banken heute noch von ihrem Beratungsgeschäft überzeugt sind. Und so werden Ecosysteme bei Weitem nicht nur das Finanzierungsgeschäft beeinflussen. Zu futuristisch? Dann werfen Sie einen Blick auf das Ecosystem HOME von Helvetia. Ganz nah – und direkt in der Finanzindustrie.


Dr. Michael Fischbach
Dr. Michael Fischbach

Der 34-Jährige promovierte in Wirtschaftsinformatik an den Universitäten Leipzig und St. Gallen. Seit über 10 Jahren ist er Strategie- und Technologie-Consultant mit Fokus auf Unternehmensarchitekturen vom Geschäftsmodell bis zur IT.