18. März 2021

Innovation aus der ti&m garage: Die Hydranten Finder App

gvz

Innovation // Wo ist die Innovation zu Hause? Bei ti&m ist es in der ti&m garage. Die Entwicklung einer Feuerwehr-App mit der GVZ Gebäudeversicherung Kanton Zürich war eine spannende Erfahrung für beide Seiten.

Innovationen kann man nicht planen, sie entstehen oft zufällig. Es bedarf jedoch Mut, um Möglichkeiten zu erkennen, zu ergreifen und sie schliesslich auch nutzbar machen zu können. Wie dies geht, zeigt das Beispiel der Hydranten Finder App, die die GVZ Gebäudeversicherung Kanton Zürich zusammen mit ti&m ent­wickelt hat. Die ursprüngliche Idee ist auf einem Weiterbildungskurs für Feuerwehr­kom­man­­dant/innen entstanden. Marius Matter, Head Agile Zürich und Mitglied des Führungsteams von ti&m, hielt dort einen Vortrag. Neben seiner Tätigkeit bei ti&m ist er auch noch in einer Milizfeuerwehr aktiv. Er sprach über neue technologische Möglichkeiten, wie die Arbeit der Feuerwehr unterstützt werden kann. Ein Beispiel war dabei der Einsatz von Augmented Reality (AR), um damit etwa Hy­dranten schneller auffinden zu können. Im Anschluss des Vortrags entwickelte sich eine angeregte Diskussion über das Potential der Technologie.

In zwei Wochen zum ersten Prototyp
Dieser Vortrag war für die GVZ Gebäudeversicherung Kanton Zürich der Ausgangspunkt, um mit einem 2-wöchigen Workshop bei ti&m die Möglichkeiten auszuloten. Der perfekte Ort dafür war die ti&m garage, das Innovationszentrum von ti&m. Dort setzten sich Entwickler, Designer und UX-Experten von ti&m, GVZ-Mitarbeitende und auch Feuerwehrleute zusammen. Gemeinsam entwickelten wir zunächst ein Verständnis für die Bedürfnisse der Zielgruppe und leiteten daraus die technischen Herausforderungen ab.
Am Anfang der Überlegungen stand ein Design-Thinking-Workshop, in dem alle Beteiligten ihre Erwartungen, Ziele und Wünsche zusammentrugen. Im Anschluss sortierten wir diese so, dass die Basis für die Entwicklung eines ersten klickbaren Prototyps gelegt war. Dieser überzeugte uns so sehr, dass wir die Entwicklung der App unbedingt weiter voranbringen wollten. Denn der Mehrwert für die Nutzer, in diesem Fall Feuerwehrleute im Einsatz, ist gegeben. Insbesondere bei Hydranten, welche aufgrund von Hindernissen nicht gut sichtbar sind.

Jeder Sprint ein Schritt näher zum Ziel
Wir entwickelten die App also zusammen mit den Experten von ti&m in mehreren Sprints stetig weiter, sodass wir die App in weniger als einem Jahr Entwicklungszeit offiziell lancieren konnten. Inzwischen sind im Kanton Zürich mehr als 60’000 Hydranten in der App digital erfasst und damit fast der gesamte Kanton abgedeckt.
Die Feedbacks der Feuerwehrleute sind bisher durchweg positiv. Sie sehen die App als eine wertvolle Ergänzung für ihre Tätigkeit. So können sie sich schnell einen Überblick verschaffen, erhalten Unterstützung bei Einsätzen und auch versteckte oder von der Vegetation überwachsene Hydranten sind schnell auffindbar. Die App ist also ein wichtiges Tool, um im Einsatz wertvolle Zeit zu sparen und damit Schäden an Personen, Gebäuden und Gegenständen zu minimieren.

Enge Einbindung von Feuerwehrleuten
Der Schlüssel für den Erfolg der App war die enge Einbeziehung von Feuerwehrleuten in alle Entwicklungsschritte der App. Angefangen beim Kick-off bis hin zu den einzelnen Sprints floss immer das kritische Feedback der Zielgruppen ein.
Dies beschränkte sich nicht nur auf einer theoretischen Basis unter Laborbedingungen in der ti&m garage. Bevor mit der Entwicklung gestartet wurde, untersuchte ein Team von UX-Experten, welche die App für ein Forschungsprojekt an der HSR Hochschule für Technik Rapperswil mitentwickelten, auf was es bei einem Feuerwehreinsatz ankommt. Sie beobachteten und dokumentierten die ersten fünf Minuten von Feuerwehreinsätzen genau. Zu diesem Zweck besuchten sie verschiedene Feuerwehrorganisationen im Kanton Zürich. Der Prototyp musste sein Können auch im Feld unter Beweis stellen. Die Feuerwehrleute erprobten die App ohne grosses vorheriges Training, um auch die Usability und die intuitive Bedienung der App zu testen. Schliesslich entstand aus der App auch eine Masterarbeit, die den UX-Prozess ausführlich unter die Lupe nimmt (siehe QR-Code).
Durch diese enge Begleitung und Praxistests konnten wir das kritische Feedback der Feuerwehrleute gleich in die nächsten Entwicklungsschritte einfliessen lassen. Das beschleunigte nicht nur die Entwicklungsarbeit, da wir Fehler schnell ausmerzen konnten. Aus den Praxis-Feedbacks bekamen wir auch Anregungen für neue Features, um die App für die Feuerwehrleute noch wertvoller zu machen. Beispielsweise wurde die App für die Nutzung mit einer Hand optimiert, was im Einsatz sehr hilfreich ist. Auch die Berechnung der nötigen Schlauchlängen vom Standort des Tanklöschfahrzeugs bis zum Hydranten kann die Arbeit der Feuerwehrleute vor Ort massgeblich beschleunigen und unterstützt sie in ihrer Lösch- und Rettungsarbeit.

Lessons Learned
Am Ende jeder Iteration steht ein Lessons Learned. Dort kann jeder Beteiligte seine Meinung sagen, ob nun positiv oder negativ. Dies alles mit dem Ziel, das Projekt voranzubringen. Für die GVZ sind die
Erfahrungen positiv und wir haben viel dazugelernt, auch für spätere Projekte. Daher nehmen wir auch die Erkenntnis mit, in Zukunft noch mehr Agilität in unsere Projekte einfliessen zu lassen. Das agile Arbeiten mit kurzen Sprints ist ein effizienter Ansatz, um Innovationen schnell voranzutreiben und auszuprobieren, dies hat uns das Projekt mit der Hydranten Finder App aufgezeigt.

Zum Download der Masterarbeit hier

 


Vasco Avanzini
Vasco Avanzini

Seit drei Jahren leitet Vasco Avanzini den Bereich Grundlagen und Ent­wicklung Feuerwehr bei der GVZ. Daneben ist er auch Angehöriger der Feuerwehr Regensdorf.

Andreas Abgottspon
Andreas Abgottspon

Andreas Abgottspon ist seit fast 6 Jahren bei der ti&m tätig, aktuell in der Rolle als Head Mobile & IoT. Davor arbeitete er 15 Jahre bei der UBS in verschiedenen Funktionen innerhalb der Softwareentwicklung.