28. September 2020

Innovationsmaschine Schweiz – Wie können Sie das volle Potenzial nutzen?

Innovationsmaschine Schweiz

Innovation // Die Schweiz bietet ein einzigartiges Ecosystem für Innovation sowie erfolgreiche Geschäftsmodelle. Welches sind die wichtigsten Erfolgsfaktoren und wie können Sie in Ihrem Unternehmen davon profitieren?

Seit fast einem Jahrzehnt steht die Schweiz im Global Innovation Index weltweit an erster Stelle. Was sind die Hauptgründe für diesen Erfolg? 

Zunächst einmal bietet die Schweiz einen aussergewöhnlichen Pool hoch qualifizierter Talente. Schweizer Universitäten zählen zu den besten der Welt, insbesondere im Bereich der Innovation. Die ETH und EPFL bieten eine qualitativ hochwertige Ausbildung in Wissenschaft und Technologie. Dieses Wissen wird an die sie umgebenden Unternehmen weitergegeben, wenn sie mit dem privatwirtschaftlichen Sektor zusammenarbeiten, um marktreife Innovationen hervorzubringen.

Ausserdem spielt das Bildungssystem eine grosse Rolle für die Innovationsfähigkeit der Schweiz.

Es richtet sein Augenmerk auch auf praktische Fertigkeiten statt nur auf theoretische Kenntnisse und bietet ein ausgewogenes Verhältnis zwischen sowohl akademischer Ausbildung als auch der Ausbildung am Arbeitsplatz. Infolgedessen sind praktische Fähigkeiten in der Schweiz weiter verbreitet als in anderen Ländern, und die Arbeitsmarktfähigkeit von Absolventen ist hoch. Ein weiterer Schlüsselfaktor für das Schweizer Innovations-Ecosystem ist die Vielfalt von dessen Arbeitskräften. Die Schweiz hat sich als ausgesprochen gastfreundlich gegenüber Menschen unterschiedlicher Kulturen und mit neuen Denkansätzen erwiesen und besitzt einen der höchsten Beschäftigungsanteile an ausländischen Staatsangehörigen. In der Schweiz ansässige multinationale Unternehmen sind ein Anziehungspunkt für hoch qualifizierte Mitarbeiter aus vielen verschiedenen Ländern und optimieren so ihren Kompetenzmix. Diese gut ausgebildeten und vielfältigen Mitarbeiter bieten eine starke Basis für Innovationen. Das geschäftliche, politische und wirtschaftliche Umfeld muss es jedoch ebenfalls ermöglichen, Innovationsbeiträge in erfolgreiche Produkte umzusetzen. Und auch in dieser Hinsicht ist die Schweiz führend und bietet den perfekten Nährboden für eine Kultur, die den Status quo in Frage  «Ausserdem spielt das Bildungssystemeine grosse Rolle für die Innovationsfähigkeit der Schweiz.»  stellt, die Ideen jedes Einzelnen nutzt und erfolgreicher Zusammenarbeit ermöglicht. Ein weiterer Faktor sind Investitionen in Innovation, ganz gleich ob Start-ups oder neue Technologien. Ein berühmtes Beispiel für diesen Ansatz ist das Crypto Valley in Zug. Der Kanton Zug hat die Blockchain-Technologie erfolgreich unterstützt und ein attraktives Umfeld für Unternehmen geschaffen, sodass die Schweiz weltweit führend im Bereich der Distributed-Ledger-Technologie ist. Generell bietet die Schweiz ein robustes und stabiles makroökonomisches Umfeld, was gerade für Unternehmen auf der Suche nach langfristigen Investitionen von Bedeutung ist. Zu guter Letzt ist auch die internationale Zusammenarbeit ein wichtiger Innovationstreiber. Die Schweiz hat sich den Zugang zur internationalen Forschungsgemeinschaft gesichert, indem sie bilaterale Abkommen geschlossen und globale Netzwerke wie das CERN oder das Human Brain Project aufgebaut hat.     

Wie können Unternehmen diese Erfolgsfaktoren nutzen und anwenden? 

Innovation ist zumeist das Ergebnis einer klaren Absicht, Bestehendes zu optimieren oder etwas anderes zu erschaffen. In einem ersten Schritt muss Innovation in Ihrem Unternehmen zur Priorität erklärt werden. Dies bedeutet, Corporate Governance und Prozesse einzurichten, die den Lebenszyklus von Innovation unterstützen, dieser Budgets zuzuweisen, sie zu einem integralen Bestandteil des Tagesgeschäfts machen und sie konsequent in den Mittelpunkt Ihrer Unternehmenskommunikation zu stellen. Das Umsetzen einer Idee in eine erfolgreiche Innovation erfordert erhebliche Unterstützung durch das Unternehmen. Voraussetzung ist die Schaffung eines Arbeitsumfelds, das Kreativität, Flexibilität sowie das Realisieren von Ideen in erfolgreiche Produkte oder Dienstleistungen fördert und honoriert. Dies bedeutet auch, dass die Offenheit gegenüber neuen Formen des Denkens, eine Kultur des Lernens sowie die Akzeptanz von Fehlschlägen als inhärente Werte gefördert werden. Bei der Innovationsbereitschaft eines Unternehmens spielen Menschen die Hauptrolle – optimal ausgebildete Experten, die aufgeschlossen und experimentierfreudig sind. Faktoren die innovatives Verhalten begünstigen, müssen Bestandteil der Einstellungskriterien werden. Neben reinen Wissensanforderungen hat ti&m Kriterien für die Rekrutierung von Mitarbeitern mit einer Innovation fördernden Denkweise definiert. Wir sind auf der Suche nach Kandidaten unterschiedlichster Herkunft, die eine neue Perspektive in unser Unternehmen bringen. Das kann sich in ungewöhnlichen Aspekten bei deren Ausbildung, Berufserfahrung und externen Interessen widerspiegeln. Wir konzentrieren uns auch auf den Aufbau interdisziplinärer und diversifizierter   Teams, was sich als grosser Innovationstreiber erwiesen hat. Ausserdem haben wir die ganz klare Erwartung, dass jeder Mitarbeiter in den Innovationsprozess einbezogen wird. Unternehmen müssen darüber hinaus Prozesse und Methoden festlegen, die sicherstellen, dass innovative Ideen erkannt, verfolgt, effizient umgesetzt und skaliert werden. Wir bieten Mitarbeitern die Möglichkeit, ihre Ideen zu unterbreiten und wenn diese vielversprechend aussehen, so stellen wir auch die Zeit sowie ein Team bereit, um sie umzusetzen. 

Wie können Unternehmen Innovationen schaffen? 

Marktreife Innovationen entstehen in der Regel nicht beim isolierten Arbeiten. Wie das Schweizer Beispiel zeigt, führt Zusammenarbeit zu besseren Ergebnissen, als sie ein Unternehmen innerhalb seiner eigenen Grenzen erzielen kann. Aus diesem Grund ist eine frühzeitige Miteinbeziehung des Kunden oder Nutzers unerlässlich. Unternehmen müssen ihr Augenmerk auf die Bedürfnisse des Kunden sowie die Verwendung des Produkts durch den Kunden richten, diesen aber auch während des gesamten Innovationslebenszyklus miteinbeziehen. Den Erfolg dieser Faktoren präsentieren wir regelmässig in unserer «ti&m garage». Die Innovationswerkstatt ermöglicht es uns und unseren Kunden, Ideen in einem sicheren und kreativen Umfeld mit geringen Kosten und Risiken auszuprobieren und umzusetzen. Mit einer einzigartigen Mischung von Design Thinking und Coding erzeugen wir innerhalb von 3 bis 12 Wochen in einer agilen Umgebung ein minimal marktfähiges Produkt (MVP). Dieser Ansatz verbindet die technische Perfektion und kulturelle Vielfalt mittels unserer «vertikalen Integration», bei der wir alle Disziplinen wie Consulting, Design, Entwicklung und Hosting in einem Team vereinen. Dies beschleunigt die Bereitstellung und minimiert die ineffiziente Koordination über Unternehmensgrenzen hinweg. Ein zentrales Erfolgskriterium ist das Miteinbeziehen der Kunden während der gesamten Innovation Journey. Dies hilft beim Verständnis der tatsächlichen Anforderungen, dem frühzeitigen Testen des Produkts mit direktem Nutzer-Feedback sowie der kontinuierlichen Anpassung des Produkts an die gestellten Erwartungen. Dies ermöglicht es sowohl den Kunden als auch uns, die Spreu vom Weizen zu trennen – denn nur wer zu seinen Fehlern steht und sich nicht an aussichtslose Ideen klammert, kann seine gesamte Energie in erfolgreiche Innovation investieren. 


Björn Sörensen
Björn Sörensen

Björn Sörensen war in den letzten 10 Jahren in verschiedenen leitenden Funktionen der Finanzbranche mit dem Schwerpunkt auf grosse Software-Entwicklungsprogramme und Digitalisierung tätig. Bei ti&m verantwortet er als Head Innovations & CIO den Innovationsbereich mit den Fokusthemen KI, Cloud, Blockchain sowie Design und leitet die IT.