29. August 2019

Mongol Rally Sprint 2: Von Turkmenistan bis nach Usbekistan

Lead Post 2

Unsere Argonauten hatten auf der zurückliegenden Etappe mit einigen grossen technischen Schwierigkeiten zu kämpfen. Improvisieren und Vertrauen war gefragt, um die Herausforderungen zu meistern.

Nachdem wir die Grenze zu Turkmenistan überquert hatten, kamen wir ein wenig später in der Hauptstadt Ashgabat an. Wir hatten eine Kontaktperson vor Ort, die uns durch eine verrückte, erschreckend perfekte, weisse und doch leere Hauptstadt führte. Alle Autos und Gebäude in der Stadt sind weiss, andere Farben erlaubt die Regierung nicht. Zum Glück kannten wir jemanden vor Ort, denn unsere Mobiltelefone hatten keinen Empfang und als Ausländer kann man keine SIM-Karte in Turkmenistan kaufen.


Da Ausländer nur in einigen bestimmten Hotels übernachten dürfen, checkten wir also in einem Hotel ein. Erst dann realisierten wir, dass wir fast komplett von der Welt ausserhalb abgeschnitten waren. Alle sozialen Netzwerke, Messenger und viele VPN-Server sind von der Regierung blockiert. YouTube, fast alle ausländischen Zeitungen, Webseiten von Universitäten und viele weitere Webseiten waren ebenfalls nicht erreichbar. Eine Verbindung zum TOR-Netzwerk konnten wir auch nicht aufbauen. Zum Glück funktionierten unsere E-Mails noch und wir konnten das ti&m -Infrastruktur-Team kontaktieren, das für uns eine VPN aufsetzte. Und voilà – so schnell waren wir wieder online.

 

Und die Probleme gingen los

Zum Glück waren wir nur 3 Tage in Turkmenistan und fuhren dann nach Usbekistan weiter. Die ersten Tage verliefen noch ohne Probleme. Wir holten sogar etwas Zeit gegenüber unserem Plan auf, da wir bereits 2 Tage Verzögerung hatten. Das Glück sollte aber nicht lange auf unserer Seite bleiben. 


Als wir die Stadt Bukhara erreichten, begann unser Uno zu überhitzen und er verlor Wasser. Von Bukhara schafften wir es noch nach Samarkand, indem wir sehr langsam fuhren und alle 50 Kilometer Wasser nachfüllten. Am nächsten Tag entdeckten wir schliesslich, dass die Zylinderkopfdichtung das Zeitliche gesegnet hatte. Dieses Teil ist leider essentiell für ein Auto. Wären wir noch weitergefahren, hätten wir unseren Motor zerstören können: Wir mussten also eine Zwangspause einlegen.

 

Es wird noch schlimmer

In der Garage bestätigte der Mechaniker unsere Diagnose. Ein Ersatzteil gab es aber weder in Samarkand noch in ganz Usbekistan. Wir waren ratlos. Schliesslich kontaktierten wir einige Freunde in Italien und einen Tag später konnten sie das Teil organisieren. Das Problem war, dass der schnellste Versand von Italien nach Usbekistan 5 Arbeitstage dauern würde. Zudem hätte einer von uns in die Hauptstadt Taschkent fahren müssen, um das Teil entgegenzunehmen. Das hätte uns noch einen Tag mehr gekostet. Damit wären wir mehr als eine Woche hinter unserem Plan gewesen.


In der Zwischenzeit konnte der Mechaniker jemanden in Russland finden, der das Teil auch besass. Er sagte uns, er könne es schneller schicken – und natürlich auf eine für uns Europäer eher ungewöhnliche Art: Er könne das Teil zum Flugplatz in Moskau bringen und dort jemanden – der zufällig nach Usbekistan fliegt – fragen, ob er das Teil mitnähme. Damit wäre das Ersatzteil in nur 2 bis 3 Tagen bei uns gewesen.

 

Die Pläne müssen angepasst werden

Wir realisierten, dass wir einige Tage in Samarkand festsitzen würden. Wir mussten also über die Bücher gehen und den Trip neu planen. Wir entschieden uns, einen Plan für den besten und den schlechtesten Fall zu machen. Je nach dem würden wir 3 oder 7 Tage verlieren. Wir entschieden uns also, das Hochgebirge und den Pamir Highway auszulassen – eine wunderschöne Panoramastrecke zwischen Tadschikistan und Kirgistan. Dadurch würden wir 6 Tage sparen. Den Pamir sollte man eigentlich nicht auslassen, er ist zu schön, aber wir wollten unser Ziel in der Mongolei unbedingt noch pünktlich erreichen.


Wir setzen uns also das Ziel, ihn irgendwann später einmal zu bereisen. Wir machten einen neuen detaillierten Plan für die einzelnen Etappen und berechneten noch ein paar Tage Puffer ein. Und schliesslich fanden wir eine Route. Somit war die Neuplanung abgeschlossen.

 

Risiken und Problem-Management

Da wir einige Ersatzteile mitgenommen haben, konnten wir die Risiken eines Totalschadens bis jetzt minimieren. Dieser Ansatz hilft uns bisher sehr gut, er war sogar schon in der Tschechischen Republik gleich zu Beginn unsere Rettung. Aus Platzgründen konnten wir aber nicht jedes einzelne Ersatzteil für jede denkbare Situation mitnehmen. Es kommt schliesslich auch sehr selten vor, dass eine Zylinderkopfdichtung eines Autos mit gerade einmal 50'000 Kilometer Laufleistung kaputt geht. Dies zwang uns zu improvisieren.


Wir entschieden uns, Plan A und B parallel umzusetzen, also das Teil sowohl aus Italien wie auch aus Russland zu besorgen. Die Sprachbarriere war hier auch eine zusätzliche Herausforderung. Die Mechaniker hatten sogar Probleme, etwas auf Usbekisch in Google Translate zu schreiben. Sie versprachen immer wieder, dass das Teil bald eintreffen würde, aber die Tage vergingen.


In der Zwischenzeit konnte ich das Handbuch von Fiat für den Uno genau studieren. Ich konnte die Mechaniker also anleiten, wie die Reparatur richtig durchzuführen sei, auch wenn sie anderer Ansicht waren. Ich fand dabei sogar heraus, dass sie nicht einmal das richtige Werkzeug vor Ort hatten, nicht einmal einen Drehmomentschlüssel. Sie zogen alle Schrauben immer per Hand fest. Dies machte mich sprachlos. Wie kann man nur so arbeiten ohne die richtigen Werkzeuge und Informationen vom Hersteller? Daher trafen wir ein paar Vorsichtsmassnahmen. Nachdem wir das Teil endlich repariert hatten, würden wir in Taschkent auf die Ankunft des zweiten Teils aus Italien warten. Wir verloren so zwar weitere 2 Tage, aber wir konnten somit sicher gehen, dass wir die restliche Strecke ohne weitere Panne an diesem Teil schaffen würden. 

 

Lessons Learned

Nach dieser Erfahrung haben wir einige wichtige Erkenntnisse gewonnen:
1.    Es braucht ein Team, das einen unterstützt. ti&m konnte ein VPN für uns in Turkmenistan aufsetzen. Das Ersatzteil in Italien hätten wir nie ohne einen Freund bekommen. Es gibt immer Probleme, die man nicht allein lösen kann, daher braucht man ein gutes Team, das einem den Rücken freihält.


2.    Probleme sind nicht zu vermeiden. Egal auf was man sich auch vorbereitet, auf dem Weg gibt es immer unvorhergesehene Probleme. Sich auf alles vorbereiten, ist so gut wie unmöglich oder auch unpraktikabel, wenn man es aus ökonomischer Sicht betrachtet.


3.    Kommunikation ist der Schlüssel. Kulturelle Unterschiede, Sprachbarrieren, unterschiedliche Arbeitsweisen, all dies ist zentral, um jemandem zu vertrauen. Dieses Vertrauen fanden wir in den usbekischen Mechanikern leider nicht. Auch wenn sie das Auto wieder zum Laufen brachten, blieb doch immer die Angst im Hinterkopf, dass sie den Job nicht gut gemacht hatten. Darum sind Werte wie transparente Kommunikation, vertikale Integration und die Nähe zum Kunden zentrale Werte, die wir auch bei ti&m leben.


4.    Habe immer einen guten Plan. Überprüfe deinen Plan so früh wie möglich, wenn Probleme aufkommen. Du brauchst keinen extrem detaillierten Plan, aber der High-Level-Plan sollte möglichst oft überprüft werden, damit er aktuell und realistisch ist. 

 

Es geht weiter

Diese Erfahrung war bisher die grösste Herausforderung auf der Rally. Wir hatten ein wirklich grosses technisches Problem und waren mehrere Tage in Samarkand gefangen. Eigentlich wollten wir nur einen Tag bleiben, mussten jetzt aber multiple Probleme lösen. Wir mussten auch unsere Erwartungen heruntersetzen und den Pamir auslassen, was uns sehr frustrierte. Aber wir haben nie aufgegeben und sind jetzt wieder auf Kurs.


Julio Naya
Julio Naya

Julio Naya ist seit 2014 bei ti&m tätig. In dieser Zeit stieg er vom Projektmanager zum Head Java Enterprise und Associate Principal auf. Er leitet ein Team von 20 Software-Ingenieuren.

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