16. August 2019

Mongol Rally Sprint 1: Von Zürich bis in den Iran

mongol_rally_blogpost1_lead

Die ti&m-Surfer Julio Naya und Andrea Magazzini haben auf der Mongol Rally schon mehr als 8'000 Kilometer zurückgelegt und 12 Länder durchquert. Das Liquid Working von ti&m macht das Abenteuer möglich. Im Blogpost gibt Julio Naya Einblick, wie sie die auf dem ersten Drittel der Reise bis zum Iran aufgetretenen Probleme agil lösen konnten.

Als wir uns entschieden, an der Mongol Rally teilzunehmen, da wussten wir genau, dass viel Unerwartetes auf uns zukommt. Deswegen haben wir versucht, uns so gut wie möglich auf dieses Abenteuer vorzubereiten.

 

Erste Probleme schon vor dem Start

Das erste Problem hatten wir schon am Abend vor dem offiziellen Start der Rally, auf dem Weg nach Prag. Als wir kurz stoppten, um den Fahrer zu wechseln, überhitzte das Auto plötzlich und viel Dampf stieg aus dem Motorraum. Es war dunkel, wir waren allein und sprachen nicht die lokale Sprache. 

Glücklicherweise hatte Andrea zwei Kopflampen mitgenommen und ich konnte das Problem ausfindig machen. Ein Schlauch für die Kühlung hatte sich gelockert. Wir warteten kurz, bis der Motor sich abgekühlt hatte, dann ersetzte ich die Schlauchschelle, füllte das Wasser wieder auf und schon war das Problem gelöst. Sogar das Material für die Reparaturen hatten wir dabei.

Leider kamen wir aufgrund dieser Panne sehr spät in Prag an und konnten kein Hostel mehr finden. Nach sieben gescheiterten Versuchen entschlossen wir uns, zum Campingplatz zu gehen. Leider war der Campingplatz auch geschlossen, sodass wir im Auto schlafen mussten.

Hotelsuche in Prag

Kleine Probleme erfordern agile Lösungen

Nach dem Start gab es immer wieder kleinere Pannen, die uns aber nicht lange stoppen konnten. Die Hupe verabschiedete sich nach fünf Minuten Nutzung direkt am Start. Kurz danach folgte die Geschwindigkeitsanzeige. Das Problem lösten wir, indem wir das Handy vor den Tacho platzierten und dort via GPS die ungefähre Geschwindigkeit ablesen konnten. 

In der Türkei gab die Fensterhebetaste rechts ihren Geist auf, sodass wir das Fenster nicht mehr schliessen konnten. Da wir in der Türkei sehr viele Fiat Unos auf der Strasse sahen, haben wir eine Fiat Garage gesucht und schnell gefunden. Diese war in einem Viertel, wo es nur Auto-Garagen und kaputte Autos gab. Die Szenerie wirkte wie in einem postapokalyptischen Film.

Die Jungs in der Garage hiessen uns sofort willkommen. Sie waren sehr beeindruckt von der Bemalung unseres Autos durch den Künstler Drü Egg. Niemand in der Garage konnte Englisch, also mussten wir buchstäblich mit Händen und Füssen erklären, was defekt ist. Vor der Garage stand glücklicherweise gleich ein alter Fiat Uno, der als «Organspender» diente.

Nachdem die Reparaturen erledigt und wir zufrieden mit dem Ergebnis waren, sah ich im «Organspender» sogar einen originalen Unterbodenschutz. Dies wurde nur in Fiat Unos eingebaut, die in Schwellenländer verkauft wurden. Da die Befestigungen kompatibel waren, liessen wir das Teil an unser Auto installieren.

Eine Stunde und ca. 50 Hammerschläge später – der Schutz war am Ende doch nicht 100 Prozent kompatibel – hatten wir in unserem Uno auch einen Unterbodenschutz. Preispunkt 15 Euro. Wir dachten uns, «kann ja nicht schaden und lass es uns ausprobieren».
Vier Tage später konnten wir den Unterbodenschutz testen. Die Grenzstrasse von Georgien nach Armenien war katastrophal schlecht und der Unterbodenschutz hat die Herausforderung nicht bestanden. In Armenien haben wir ihn abmontieren lassen. Zum Glück war die Investition klein und der Praxis-Test kam zeitnah, sodass wir die (Nicht)-Wirksamkeit des Unterbodenschutzes schnell feststellen konnten. Wie bei einem «Spike» in Scrum – man testet eine Idee für eine kurze Zeit, um herauszufinden, ob sie funktioniert oder nicht. In unserem Fall halt nicht.

Grenze Armenien

Gastfreundschaft wird grossgeschrieben

Übrigens braucht man in Armenien nichts bezahlen, wenn man Leute vor Ort kennt. So bezahlte ein Armenier die Reparaturen am Auto, die Autoversicherung und sogar ein gemeinsames Essen für uns. Gastfreundschaft wird in diesen Ländern noch grossgeschrieben.

Kurz bevor wir an der iranischen Grenze ankamen, gab es noch ein grösseres Problem. Als wir bergab fuhren, ging das Bremspedal immer leichter, sodass wir nach zwei Kurven fast nicht mehr bremsen konnten. Das ganze Bremssystem war überhitzt und wir mussten eine Zwangspause einlegen. 20 Minuten später war die Bremse so weit abgekühlt, dass wir weiterkonnten. Vorsichtshalber fuhren wir daher nur im 1. und 2. Gang ganz langsam Richtung iranische Grenze weiter. Am nächsten Tag funktionierte die Bremse glücklicherweise wieder normal. 

Im Iran haben wir immer wieder extrem freundliche Leute kennengelernt, die aber nur Farsi sprachen. Google Translate und eine iranische SIM-Karte halfen uns, dieses Problem zu überwinden. Wir nähern uns mittlerweile immer mehr dem Ziel und halten Euch über unsere weiteren Abenteuer auf dem Laufenden.


Julio Naya
Julio Naya

Julio Naya ist seit 2014 bei ti&m tätig. In dieser Zeit stieg er vom Projektmanager zum Head Java Enterprise und Associate Principal auf. Er leitet ein Team von 20 Software-Ingenieuren.