23. Mai 2017

UX Designer vs. UX Design

UX Design 750x410

Als User Experience Designer testet man gerne die Bedienbarkeit von Gegenständen, digitalen Prozessen, sowie Applikationen. Das ist nicht erstaunlich, die Ergebnisse dahingegen schon, denn nicht selten stellt man dabei fest, dass manche Dinge scheinbar vor der Zeit des UX Designers entwickelt wurden. Über den Irrsinn unbedienbarer Geräte und Applikationen.

Neulich am Drucker

Vor ein paar Wochen ergab es sich, dass drei erfahrene UX Designer zusammen an einem Drucker standen. Ihr ursprüngliches Ziel: das Anlegen eines neuen Benutzers. Sechs Zeigefinger wischten abwechselnd über den Screen begleitet von Ausrufen wie „Hier?“, „Ne.“, „Aber hier!“, „Ne“. Nach 10 Minuten hatte man alle Buttons gedrückt, war bis in die Server-Einstellungen des Druckers gelangt und hatte die Aufgabe nicht gelöst.

Nach weiteren fünf Minuten gaben zwei Designer auf. Der Dritte blieb hartnäckig, was die anderen immer wieder an den Unfallort zurück lockte. Nach etwa 20 Minuten stellte man gemeinsam fest, dass das Ziel auf mysteriöse Weise glatt zwei Mal gelungen war: zwei Benutzer waren angelegt. Nach weiteren zehn Minuten brach man den Versuch, den nun überzähligen User zu löschen, endgültig ab.

Das Fazit nach dreissig Minuten: Dieses Ziel ist auf dem Gerät nur mit viel Hartnäckigkeit zu erreichen, wenn überhaupt. Hat sich denn überhaupt jemand Gedanken gemacht über die Bedienbarkeit dieses Gerätes? Wie kann es sein, dass ein erfahrener und erfolgreicher Hersteller von Druckern solche Rätsel für den Kunden produziert? Wie kann ein Gegenstand, der schon seit Jahrzehnten Bestandteil jeder Büroraum-Möblierung ist, derart unbedienbar sein? Wir betrachten ein weiteres Beispiel.

Die App, die keiner bedienen kann

Zehn UX-Spezialisten sitzten zusammen in einem Klassenzimmer. Einer hält eine Präsentation über diverse aktuelle Kommunikations-Tools. Ein Tool in Form einer App wird dabei besonders hervorgehoben, nicht zuletzt wegen ihrer Unbedienbarkeit, die neue Massstäbe zu setzen scheint. „Ich habe mir die App runtergeladen, ich wollte sie wirklich testen, aber ich habe es einfach nicht geschafft sie zu bedienen.“ Stummes Kopfnicken bei allen Anwesenden.

In ähnlicher Form habe ich dies bereits aus meinem Freundeskreis gehört, wo der Versuch, die App zu benutzen, direkt drei Mal angefangen und wieder abgebrochen wurde. Ich würde lügen, hätte ich es weniger oft probiert.

Die Rede ist von Snapchat. Eine App, die Ende 2016 stolze 68 Milionen tägliche Nutzer alleine in Nordamerika hatte. Auch hier stellt sich die Frage: Wie kann eine App eines Unternehmens, dass so jung ist, das es sogar noch als Startup bezeichnet werden kann, so unbedienbar sein und dennoch so viele User haben?

Diesen und weiteren Fragen werde ich in meinem nächsten Artikel auf den Grund gehen.


Stephanie van Ophuisen
Stephanie van Ophuisen

Stephanie van Ophuisen studierte Kommunikations-Design an der Frankfurter Academy of Visual Arts und ist seit mehr als 10 Jahren im Design-Bereich tätig. Mit dem Hintergrund als Art Director in einer internationalen Werbeagentur hat sie im Verlaufe der letzten Jahre vielfältige Projekte und Kunden auf dem Weg in die Digitalisierung betreut.

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