01. August 2020

«Ich will ti&m als Trusted Brand in Singapur etablieren»

Marc Bühler<br/>

Marc Bühler hat im Juni die Leitung der ti&m-Niederlassung in Singapur übernommen. Seit mehr als zehn Jahren lebt und arbeitet er in Singapur. Wie er in die IT kam, was er in seiner Freizeit tut und wie er seine Start-up-Erfahrung für die Niederlassung in Singapur einbringen will, erzählt er im Interview.

Du hast Anfang Juni bei ti&m angefangen. Wie war Dein Start?
Mein Start war mehr als vielversprechend. Das Arbeitsumfeld ist neu, aber ich bin wie bei meinem letzten Job im Home-Office tätig und meist am Telefon oder in Videokonferenzen. Nach Monaten zu Hause freue ich mich darauf, ins neue Büro in Singapur gehen zu können und die Mitarbeitenden und Kunden persönlich zu treffen. Die ersten Wochen sind sehr schnell vergangen. Auch hatte ich viele Termine, um alle Kollegen in der Firma kennenzulernen und herauszufinden, wo uns Zürich unterstützen kann. Alles in allem eine sehr spannende Zeit.
 
Zunächst zu Deinem Background. Ich habe in Deinem CV gelesen, dass Du 1995 das erste Internetcafé in Graubünden eröffnet hast. Wie kam es dazu?
Das war im Gymi und wir waren 16-jährig. Ein Schulkollege und ich machten im Sommer 1995 unsere ersten Gehversuche im Internet. Zufälligerweise stand eine Wohnung im Haus der Grossmutter leer und diese durften wir mietfrei nutzen. Dank Hard- und Software-Sponsoren konnten wir das Internetcafé praktisch ohne Ausgaben aufbauen. Obwohl wir nur am Samstag offen hatten, gab es doch viele Interessierte, insbesondere nachdem die Regionalzeitungen über uns berichtet hatten. Auch Skitouristen schätzten die Nähe zum Bahnhof, um bei uns kurz E-Mails checken zu können, bis der nächste Zug fuhr. Daneben offerierten wir auch Computerkurse für Anfänger oder Schulklassen.
 
Du hast schon einige Firmen gegründet und Dich in vielen Bereichen ausprobiert. Wie waren diese Erfahrungen?
Die Erfahrungen waren grundsätzlich positiv. Ich habe extrem viel gelernt, technisch wie auch betriebswirtschaftlich. Mich hat das Start-up-Umfeld seit jeher fasziniert und das waren gute Möglichkeiten, um verschiedene Sachen auszuprobieren. Einige dieser Firmen habe ich neben Schule und Studium gegründet. Ich habe sie aber immer als Nebenjob gesehen.
 
Warum hast Du Dich für ein Informatikstudium entschieden?
Ich wollte eigentlich schon seit meiner Primarschulzeit Informatik studieren. Da mein Vater für das Geschäft einen PC zu Hause hatte, habe ich früh mit dem Programmieren begonnen. Meine Anfänge machte ich mit BASIC und kurz darauf Turbo Pascal. Ich war jede freie Minute am PC und war total angefressen. Ich habe alles im Selbststudium gemacht, denn richtige Lehrbücher gab es damals nur wenige. Als mein Vater mir dann von der ETH Zürich erzählte, hat sich das zu einer fixen Idee entwickelt. Ich habe zwischen Schule und Studium lediglich eine kleine Auszeit genommen, um in unserem Hosting- und Web Design Start-up zu arbeiten.
 
Von der Selbstständigkeit bist Du dann zur Privatbank Julius Bär gewechselt. Wie hast Du diesen Kulturwandel empfunden?
Ja das war schon ein kleiner Schock. Ich war so viele Prozesse und Restriktionen nicht gewöhnt. Aber das hat sich schnell gelegt, denn ich hatte das Glück mit tollen und interessanten Leuten zu arbeiten. Ausserdem konnte ich viel Neues lernen und habe mich somit schnell eingelebt. Es war spannend zu sehen, wie Lösungen in einer Firma mit ein paar tausend Mitarbeitern und noch viel mehr Kunden skalieren.
 

Warum hat es Dich nach Singapur verschlagen?
Ich bin bei Julius Bär in einem University-Graduate-Programm eingestiegen. Es gibt Studienabgängern die Möglichkeit, nach einem Jahr in verschiedenen Teams in Zürich für sechs Monate nach Singapur zu gehen. Mich begeisterte die Chance, eine Auslanderfahrung im Job machen zu können. Diesen Schritt kann ich jedem nur empfehlen, denn so lernt man eine andere Kultur und Lebensweise kennen.

Warum hast Du Dich für einen Wechsel zu ti&m entschieden?
Mich persönlich reizt der Aufbau der neuen Niederlassung in Singapur sehr. Ich glaube, das ist der perfekte Mix von Start-up vor Ort, mit einem sehr guten Brand und einer gesunden Firma im Rücken, die in den neuen Standort investieren will. Ich mag es lieber, wenn noch nicht alles etabliert ist und man innert kurzer Zeit viel bewegen kann. Abgesehen von der Rolle, war mir ti&m als Arbeitgeber sehr sympathisch. Ich habe ein paar Stunden lang Kununu Reviews gelesen. Das hat mich überzeugt. Eine solch positive Firmenkultur wie bei ti&m sucht in der Branche ihresgleichen. Meine ersten Wochen haben diese Erwartungen bestätigt. ti&m hat einen tollen Mix aus Technologie und Kreativität, hoch motivierte und kompetente Mitarbeiter, bei einem Minimum an Hierarchien. Die perfekte Ausgangslage für mindestens die nächsten 15 Jahre!
 
Welche Ziele verfolgst Du als Head Singapur von ti&m?
Das Hauptziel ist klar das Generieren von Business. Das heisst, neue Kunden und Aufträge zu gewinnen und die Beziehungen zu bestehenden Kunden auszubauen. Wir wollen von Anfang an einen Mix aus Consulting, Auftragsarbeiten und unseren bestehenden Produkten bieten. Der Fokus liegt dabei auf der Finanzindustrie. Wir sind aber grundsätzlich offen, auch andere Branchen abzudecken. Dann wollen wir ti&m als "Trusted Brand" auch in Singapur und der Region etablieren. Wichtig ist mir auch, dass wir in Asien ein "Employer of Choice" sind, wo sich die Mitarbeitenden wohl fühlen, die Arbeit Spass macht und jeder sich einbringen darf. Dazu gehören auch Mobilitätschancen, also die Möglichkeiten an einem anderen Firmenstandort Erfahrungen zu sammeln. Auch haben wir uns schon erste Gedanken gemacht, wie ein "Shake the Sea/Ocean" Event hier aussehen könnte. (Lacht)
 
Was macht Singapur für Dich so spannend, dass Du schon über 10 Jahre dort bist?
Singapur ist technologisch sehr fortschrittlich, super effizient und sogar noch sicherer als die Schweiz. Für mich und meine Frau ist Singapur der ideale Ort, um unsere beiden Kinder grosszuziehen. Trotz Grossstadt ist Singapur auch sehr grün, es gibt viele Parkanlagen und Naturreservate. Zudem sind die Leute hier offen, interessiert und meist sehr herzlich. Auch liebe ich das Wetter. Ich komme zwar aus Graubünden, habe aber nach zwei Wochen Skiferien genug vom Schnee für ein weiteres Jahr. Ich fühle mich wohler am Meer, mit Strand und Palmen, als auf der Skipiste. Zudem ist man mit dem Flugzeug schnell in fremden Ländern und kann in spannende Kulturen eintauchen. Das fasziniert mich seit dem ersten Tag.
 
Gibt es auch negative Punkte?
Klar doch, aber das sind eigentlich nur Kleinigkeiten. An vieles gewöhnt man sich, wie etwa die kleineren Wohnungen oder verstopfte Highways. Auch nach zehn Jahren ist es für mich nicht nachvollziehbar, dass im Restaurant das Essen oftmals serviert wird, wenn es gerade fertiggekocht ist. So kommt es schon mal vor, dass man beim Dessert ist und der Tischgenosse noch bei der Vorspeise. Aber eben: Solche Sachen gibt es auch umgekehrt. Wenn ich in der Schweiz in den Ferien bin, werde ich auch schnell wieder an Dinge erinnert, die ich nicht wirklich vermisst habe.
 
Neben der Arbeit, was machst Du sonst noch gerne?
Wenn ich Zeit finde zwischen Arbeit und Familie, dann versuche ich, mich mit Joggen, Tennis und manchmal Fussball fit zu halten. Man kann mich sogar für Karaoke begeistern, was vor meiner Asienzeit undenkbar gewesen wäre.
 
Du bist auch ein passionierter Drohnenpilot, habe ich gehört?
Ja, das Fliegen ist eine Leidenschaft von mir. Schon als Junge habe ich ferngesteuerte Flugzeuge geflogen. Dann habe ich 20 Jahre nichts in dem Feld gemacht, bis ich von einem Freund auf das Drohnenfliegen aufmerksam gemacht wurde. Ich fliege Quadcopter und Flugzeuge mit Kameras und allem Drum und Dran. Die Technologie dahinter interessiert mich sehr. Seit einiger Zeit schreibe ich daher hobbymässig Drohnensoftware und manage eine Open Source Community. Es macht mir ungeheuer Spass und ich habe mir schon so einige Nächte damit um die Ohren geschlagen. In mir schlägt auch immer noch ein Ingenieurherz und das Coden fehlt mir schon manchmal, da ich seit einigen Jahren hauptsächlich mit Managementaufgaben betraut bin.
 
Halten Dich Deine Kinder während des Lockdowns auf Trab? 
Natürlich, und das vor allem während des Lockdowns hier in Singapur, der ja noch ein bisschen restriktiver war als in der Schweiz. Auch die Öffnung geht langsamer vonstatten. Daher können sich Kinder ausserhalb der Schulen, die seit Juni teilweise wieder offen sind, noch nicht treffen. Man muss halt immer ein bisschen Aktivitäten für zu Hause planen, da man nach wie vor nicht zu viel nach draussen gehen soll. Hier gibt’s schon seit April Maskenpflicht, auch Spielplätze für die Kinder waren zum Beispiel bis vor Kurzem immer noch gesperrt. Es ist eine intensive Zeit mit den Kindern, was aber durchaus auch seine positiven Seiten hat.
 


 


Christoph Grau
Christoph Grau

Christoph Grau ist seit September 2018 bei ti&m tätig und verantwortet die Medienarbeit. Davor arbeitete er mehr als vier Jahre als Redaktor und später als stellvertretender Chefredaktor bei einem grossen Schweizer IT-Fachmagazin. Er studierte Chinawissenschaften und Geschichte an der Freien Universität Berlin.