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Vor ziemlich genau einem Jahr hast Du eine dreimonatige Auszeit gemacht. Wie bist Du auf die Idee dazu gekommen?
Magdalene Koj: Mein Mann und ich haben recht viele Bekannte und Freunde, die schon einmal in irgendeiner Form eine Auszeit gemacht haben. Irgendwann haben wir uns dann gefragt, warum wir das nicht auf die Reihe bekommen. Dabei haben wir weder Kinder oder Haustiere, die wir versorgen müssten. Daher haben wir vor mehr als zwei Jahren den Entschluss gefasst, auch eine gemeinsame Auszeit zu machen. Fast zeitglich hat ti&m auch das Arbeitszeitmodell «liquid working» eingeführt, wonach jeder Mitarbeitende offiziell eine längere unbezahlte Auszeit machen kann. 

 

Du hattest also fast ein Jahr Vorlaufzeit?
Ja, genau. Als ich mit meinem Vorgesetzten darüber gesprochen habe, dachte er erst, ich wolle im Dezember 2018 gehen. Als ich ihm dann aber sagte, dass ich Dezember 2019 meine, war es überhaupt kein Problem. Die Bestätigung habe ich auch relativ schnell bekommen. Mit meinem Mann haben wir überlegt, ob wir 2 oder 3 Monate beantragen wollen und haben uns gesagt, dass wir doch zunächst 3 Monate angeben und dann 2 Monate zugesprochen bekommen. Überraschenderweise haben wir beide von unseren Arbeitgebenden die volle Zeit erhalten, was uns natürlich freute.

 

Wo wart Ihr überall in dieser Zeit?
Wir waren im Dezember zunächst in Neuseeland, im Januar in Australien und dann im Februar auf den Philippinen.

 

Warum hat es Euch in diese Ecke der Welt verschlagen?
Wir sind bisher immer viel in Asien gereist. Mich zieht es auch immer dorthin, weil es dort so viele verschiedene schöne Ecken gibt. Ich wollte auch schon immer nach Neuseeland, als grosser Herr der Ringe Fan. Zudem lebt ein alter Studienfreund von meinem Mann in Australien, den wir schon lange nicht mehr gesehen haben. Wenn wir schon in Neuseeland sind, dann können wir auch die Gelegenheit nutzen und einen Abstecher machen. Am Ende wollten wir noch etwas entspannen. Der ursprüngliche Plan war eigentlich Bora Bora in Französisch-Polynesien. Das hat aber leider nicht geklappt, da im Februar dort die Sturmsaison ist. Daher haben wir spontan auf die Philippinen umgeplant, da man dort so gut tauchen kann. 

 

Und Ihr habt gerade so noch die Corona-Welle abgepasst?
Wir hatten wirklich Glück. Wir sind nur einen Tag früher zurückgekommen als geplant und wenig später hätten wir auch nicht mehr ohne Weiteres zurück in die Schweiz reisen können. Unseren letzten Tag in Sydney konnten wir daher nicht geniessen, da wir nur panisch versucht haben, den Heimflug zu buchen. Nach sage und schreibe neuneinhalb Stunden haben wir es dann geschafft, einen Flug zu buchen. Wir sind ständig rausgeflogen. In der Zeit schwappte die Welle aus Wuhan gerade über die Welt und mehr und mehr Flüge wurden abgesagt. Da wir die folgende Zeit viel auf kleinen Inseln auf den Philippinen waren, mussten wir vorher eine Alternative haben. Schliesslich konnten wir von Manila über Singapur nach Zürich fliegen.

 

Jetzt ein Jahr später fühlt es sich bestimmt schon wie eine Ewigkeit an? 
Es war wohl einfach zu kurz.

 

Was wäre dann eine gute Zeitspanne gewesen?
Ich glaube, es gibt keine, es ist immer irgendwie zu kurz. Ich hatte in den drei Monaten auch Phasen, in denen ich gerne für zwei Wochen wieder nach Hause gekommen wäre, wenn es nicht so mühsam gewesen wäre. Dann hätte ich wieder einen Monat reisen gehen können. Ich denke zwei Monate weggehen und dann zwei Wochen wiederkommen wäre gut, damit man seine Lieben zu lange nicht sieht. Wir hätten uns schon manchmal gewünscht, unsere Freunde oder Familien mitnehmen zu können. Ich hatte auch Momente, die ich gerne mit meinen Arbeitskollegen geteilt hätte. 

 

Welche Tipps würdest Du jemandem geben, der eine solche Tour plant?
Den Entschluss für die Reiseziele haben wir schon sehr früh gefällt. Dabei haben wir aber nur die wirklich grossen Flüge ca. 4 Monate vorher gebucht, also von der Schweiz nach Neuseeland, von Neuseeland nach Australien und dann auf die Philippinen. Dazwischen haben wir nicht viel gebucht und auch noch nicht gross geplant. Irgendwie ging das Jahr mit der Vorbereitung doch sehr schnell vorbei und erst zwei Monate vor dem Start haben wir angefangen, Reiseführer zu wälzen. Dann haben wir natürlich unzählige Destinationen gefunden, die man unbedingt gesehen haben musste. Aber irgendwann haben wir dann einfach gesagt, dass wir nur die zentralen Dinge buchen. Das war für uns in Australien Lady Elliot Island, ein Naturschutzgebiet mit tollen Taucharealen, und dann noch eine mehrtätige Bootsfahrt zu den Palawan Inseln auf den Philippinen. Davon abgesehen haben wir nichts vorab gebucht. 

 

Dein Tipp ist also, möglichst wenig vorher planen?
Ja, vor allem soll man sich auch nicht zu viel vornehmen. Wir hätten in den drei Monaten schon viel mehr sehen können, aber den Stress wollten wir nicht. Wir haben uns immer erst ein paar Tage vorher überlegt, was wir als Nächstes machen wollen. Einfach dort sein und die Zeit geniessen, ist viel wichtiger. Man kann eh nicht alles sehen.

 

Was war für Dich die bleibendste Erfahrung?
Mir wurde erst auf der Reise bewusst, wie wenig Zeit ich im vergangenen Jahr für mich und meinen Partner hatte. Daher haben wir versucht, Dinge zu machen, für die wir in der Schweiz sonst nur wenig Zeit haben. Wir waren etwa zusammen viel wandern in Neuseeland. Durch unsere Spontanität haben wir auch Sachen entdeckt, auf die man sonst gar nicht gekommen wäre. Weihnachten haben wir beispielsweise in einem Sumpfgebiet auf der Südinsel in Neuseeland verbracht, wo es kaum Touristen gab. Es war eine tolle Erfahrung. In Melbourne haben uns die Buschfeuer einen Strich durch die Rechnung gemacht, die Weingüter in der Nähe zu besuchen. Deshalb sind wir fast zehn Tage dort geblieben und hatten die Gelegenheit, die tolle StreetArt Szene zu entdecken und Roger Federer und Serena Williams bei den Australien Open spielen zu sehen. Wir sind auch einen Teil der Great Ocean Road gewandert und nicht wie die meisten Touristen abgefahren. Das war wirklich eindrücklich und besonders.

 

Was hast Du langfristig für den Job mitgenommen?
Ich glaube, jetzt besser zu wissen, was ich alles kann, wo ich mich noch verbessern kann und wo ich mich vielleicht selbst zurücknehmen muss. Vielleicht bin ich auch ein bisschen entspannter geworden, auch wenn ich nicht zu den tiefenentspannten Leuten gehöre (lacht). Ich brauche immer etwas mehr Herzblut. Das Erste, was ich nach meiner Rückkehr entschieden habe, war, dass ich auf jeden Fall noch einmal eine Auszeit machen will. Es hat mir wirklich gutgetan. Spätestens in fünf Jahren werde ich es wieder machen.

 

Und wo soll es dann hingehen?
Ich glaube, dann wird es in Richtung Französisch-Polynesien gehen. Mich zieht es zu den Inseln und auf das Meer. Vielleicht können wir von dort dann auch noch nach Südamerika. 

 

Wie schwierig war es, wirklich 3 Monate aus Deiner zentralen Funktion im Bid-Office auszusteigen?
Im Prinzip war es bei mir sehr einfach. Ich habe eine Anfrage gestellt und zwei Woche später war alles schon in trockenen Tüchern. Was auch an der langen Vorlaufzeit lag. Ich hatte zusätzlich das grosse Glück, noch Verstärkung im Bid-Office zu bekommen. Ich denke, man kann eine Auszeit für jeden realisieren, wenn man die Übergabe nur möglichst transparent macht. Inzwischen ist «liquid working» bei ti&m auch sehr gut erprobt und wirklich viele Mitarbeitende haben es schon gemacht. Ich bin dankbar, dass es so unkompliziert gegangen ist. Das schätze ich sehr und finde es wirklich richtig gut.