24 Banken, eine Plattform: Das ESPRIT Netzwerk setzt auf ti&m Banking
Was sind aus Ihrer Sicht aktuell die grössten technologischen und strategischen Herausforderungen für Regionalbanken?
Bernhard Fässler: Neue Technologien bedeuten oft Investitionen. Investitionen bei begrenzten Ressourcen und sinkenden Margen sind eine grosse Herausforderung. Jede technologische Investition sollte am Ende einen Nutzen bringen. Die technologischen Veränderungen führen oftmals zu einer höheren Komplexität der IT-Landschaft und zu neuen Herausforderungen, bspw. mit den Legacy-Systemen. Getrieben von Neobanken und Fintechs steigen die Kundenerwartungen an Funktionsumfang und UX. Bei uns stehen Stabilität und ein breiter Funktionsumfang für verschiedene Kundengruppen wie Privat- und Firmenkunden im Vordergrund, Neobanken setzen eher auf ausgefallenere Features. Aber die steigenden Kundenerwartungen spüren wir auch in den Regionalbanken. Weitere Herausforderungen sind regulatorische Anforderungen, Cybersecurity und KI. Die Entwicklungen im Bereich KI haben sich in den letzten Monaten massiv beschleunigt.
Stephan Bärtschi: Ja, die Entwicklung in Themen wie Prozessdigitalisierungen, künstliche Intelligenz oder Cybersecurity schreitet rasend schnell voran. Es gilt, die Entwicklungen aufmerksam zu verfolgen und im rechten Moment auf die richtigen Lösungen zu setzen. Ohne ESPRIT Netzwerk wäre es kaum möglich, solche meist kostenintensiven Investitionen zu tätigen. Es gibt viele interessante Tools auf dem Markt, aber der finanzielle Spielraum für Investitionen in Technologien ist nicht unendlich. Es gilt, die Spreu vom Weizen zu trennen: Was erwartet die Kundschaft in Zukunft von einer zeitgemässen Bank? Was muss sie digital bieten? Wo wird der persönliche Austausch weiter gewünscht? Was bringt Mehrwert und was ist Spielerei? In diesem Spagat bewegen wir uns.
«Die durch Neobanken und Fintechs veränderten Kundenerwartungen spüren wir auch bei den Regionalbanken.»– Bernhard Fässler
Wie hilft das ESPRIT Netzwerk konkret dabei, diese Herausforderungen zu bewältigen? Was kann der Verbund besser lösen als eine Bank allein?
Bernhard Fässler: Die Skaleneffekte und Synergien durch eine gemeinsame Banking- Plattform sind enorm, dazu kommt die Bündelung von Know-how und Ressourcen. Die wenigsten unserer Banken hätten ein Projekt wie die Einführung eines neuen Mobileund E-Bankings allein umsetzen können.
Warum haben Sie sich für ti&m Banking entschieden?
Stephan Bärtschi: Die Lösung überzeugte mit einem modernen, weit entwickelten Digital Banking für Desktop und Mobile. Der Entscheid wurde basierend auf einer umfassenden Evaluation mit entsprechender Scope-Definition gefällt. Für die Lösung sprach auch, dass sie nicht erst von Grund auf neu entwickelt werden musste, sondern bei anderen Banken bereits produktiv im Einsatz war, darunter auch Institute mit demselben Kernbankensystem wie im ESPRIT Netzwerk. Dies reduzierte das Projektrisiko wesentlich. Zudem spielten die Erfahrungen mit dem bereits eingesetzten Kundenportal von ti&m eine positive Rolle.
Bernhard Fässler: Uns hat das gesamte Paket überzeugt: Die einheitliche Lösung für Mobile- und Web-Banking, der Funktionsumfang, die bLink-Integration und vor allem die offene Architektur mit dem ti&m Banking Adapter, der uns unabhängiger vom Kernbankensystem macht und die Weiterentwicklung vereinfacht.
ti&m Banking macht Sie zukunftssicher?
Bernhard Fässler: Ein Mobile- und E-Banking ist heute keine Entscheidung mehr für die nächsten 20 Jahre, sondern ein Produkt, das einem ähnlichen Lifecycle unterliegt wie andere Produkte. Früher war das E-Banking stark mit dem Kernbankensystem verwoben, was eine Ablösung sehr komplex und aufwändig gemacht hat. Ob künftig ein anderes Produkt auf dem Markt entsteht, welches viel mehr kann, das weiss man heute noch nicht. Das heisst aber nicht, dass wir in ein paar Jahren das Mobile- und E-Banking schon wieder wechseln möchten. Wir gehen davon aus, dass ti&m das Produkt laufend weiterentwickelt. Wir haben ein solides Produkt zu einem vernünftigen Preis, und ich traue ti&m absolut zu, dass ti&m Banking auch in fünf Jahren immer noch top ist. Und die Einführung eines neuen Mobile- und EBankings ist dann doch nicht so einfach, dass man das gerne alle fünf Jahre macht.
Wenn Sie in die Zukunft blicken: Wie könnte sich das Mobile- und E-Banking in Sachen Funktionalitäten verändern? Welche neuen Hauptfunktionen könnten in fünf Jahren Standard sein?
Bernhard Fässler: Ich bin überzeugt, dass KI fester Bestandteil von Bankinglösungen wird. Aber wie genau Kundinnen und Kunden in fünf bis in zehn Jahren mit Hilfe von KI ihr Banking nutzen, ist noch nicht absehbar. Die Entwicklung von Multi-Banking und Open Banking wird weitergehen. Ich kann mir vorstellen, dass es im Mobile- und E-Banking zukünftig zu einer Integration anderer Dienstleistungen wie Versicherungen kommt: Mobile Banking wird ein Ort, wo die Kundin oder der Kunde die gesamte Finanzverwaltung gebündelt orchestrieren kann.
«Es gibt viele interessante Tools auf dem Markt, aber der finanzielle Spielraum für Investitionen in Technologien ist nicht unendlich.»– Stephan Bärtschi
Welche Rolle spielt ti&m Banking künftig in Ihrer Strategie? Welchen konkreten Nutzen bringt die
Umstellung auf die neue Plattform?
Bernhard Fässler: Die erwähnte Entkoppelung vom Kernbankensystem durch den ti&m Banking Adapter und die Flexibilität ermöglichen individuelle Entwicklungen für jede einzelne Bank. Mit ti&m Banking haben wir ein System, das sich gut in unsere verteilte und komplexe IT-Landschaft einfügt, ohne eine massiv höhere Komplexität zu verursachen.
Stephan Bärtschi: Digital Banking ist die meistgenutzte Kontaktart unserer Kundinnen und Kunden und somit eines der zentralen Systeme unserer Bank. Dieses Angebot muss modern und sicher sein sowie stabil und zuverlässig funktionieren, damit die Kundschaft zeit- und ortsunabhängig ihre Bankgeschäfte abwickeln kann. Die Plattform muss zudem gute Möglichkeiten für künftige Erweiterungen bieten.
Worin bestand die grösste Herausforderung, eine Lösung für über 20 Banken gemeinsam umzusetzen?
Stephan Bärtschi: Grundsätzlich sind die meisten Banken im Netzwerk klassische Regionalbanken mit ähnlichen Geschäftsmodellen. Die Anforderungen waren also nicht grundlegend unterschiedlich. Aufgrund ihrer unterschiedlichen Grösse und verschiedener Prägung der Kundensegmente haben aber nicht alle Banken die gleichen Prioritäten. Einige Banken im Netzwerk sind zum Beispiel stark im Firmenkundensegment tätig, für andere hat das Wertschriftenanlagegeschäft einen hohen Stellenwert. Letztlich deckt ti&m Banking die unterschiedlichen Anforderungen einer Retailbank ab.
Bernhard Fässler: Die grösste Herausforderung war, einen gemeinsamen Nenner zu finden: Welche Funktionalität soll die Lösung haben, und wie wird die Funktionalität umgesetzt? Dazu brauchte es das ESPRIT Netzwerk als Orchestrator und ti&m als Softwarelieferant, der unsere Anforderungen umsetzte.
Wo mussten Sie als einzelne Bank Kompromisse eingehen, und wo haben Sie bewusst darauf bestanden, eigene Wege zu gehen? Und wo haben Sie auf Standard gesetzt, obwohl Individualisierung möglich gewesen wäre?
Stephan Bärtschi: Da wir eine der Pilotbanken waren, konnten wir das Projekt frühzeitig mitbeeinflussen. Wir hatten nicht den Eindruck, dass wir bei der Evaluation oder in der Projektphase viele Kompromisse eingehen mussten. Ein unschöner Kompromiss musste bei der Aufgabe der bisher möglichen Sammelbuchungen gemacht werden, was heute im Tagesbetrieb Mehraufwände und weniger Übersichtlichkeit bedeutet. Im produktiven Betrieb wurden viele Änderungsund Korrekturanliegen von uns und anderen eingebracht. Hier werden die Prioritäten aller teilnehmenden Banken im Gesamtkontext beurteilt, sodass man mit eigenen Anliegen nicht immer zuoberst auf der Liste steht.
Wann wurde es im Projekt kritisch und was hat geholfen, wieder vorwärtszukommen?
Bernhard Fässler: Ich war sehr positiv überrascht, wie das Projekt durchgezogen wurde. Es wurde nie superkritisch, und die böse Überraschung am Schluss blieb aus. Klar hat es Herausforderungen gegeben, etwa gewisse Funktionalitäten, die nicht passend umgesetzt wurden. Es ist wichtig, dass die noch nicht zufriedenstellenden Funktionen rasch umgesetzt werden. Wir haben Stand heute bereits wieder viele Anforderungen, die wir im weiteren Verlauf umsetzen werden. Die Migration verlief sehr gut. Es war ein sehr erfolgreiches Projekt. Mein Dank geht an unsere Banken, an ti&m, an Swisscom, an Finnova und die ESPRIT Netzwerk AG. Es war ein gewisses Risiko, ein solches Projekt anzugehen. Aber wenn alle miteinander am gleichen Stick ziehen, schafft man dies mit 24 Banken.
Stephan Bärtschi: Bei den Banken selbst war die Testphase intensiv und benötigte zunächst einige Anlaufzeit. Dies brauchte mehr Zeit und Ressourcen als angenommen. Mit entsprechendem Nachdruck konnte auch diese Phase zeitgerecht abgeschlossen werden.
«Uns überzeugte das Gesamtpaket von ti&m Banking: der Funktionsumfang, die bLink-Integration und vor allem die offene Architektur mit dem ti&m Banking Adapter, der uns unabhängiger vom Kernbankensystem macht und die Weiterentwicklung vereinfacht.»– Bernhard Fässler
Wie lief die Kundenmigration von der alten auf die neue Lösung?
Stephan Bärtschi: Die Umstellung der Kundinnen und Kunden erfolgte pro Bank in mehreren Etappen. Die Umstellung der Banken im Netzwerk selbst erfolgte ebenfalls gestaffelt. Dadurch verlief die Umstellung verhältnismässig reibungslos. Einige Ressourcen erforderte der Support für die Kundinnen und Kunden. Zum Glück wurden frühzeitig Erfahrungen anderer ti&m-Kunden mit uns geteilt, was dazu führte, dass wir entsprechende Ressourcen aufbauen konnten. Dies erwies sich als richtig.
Was hat sich seit der Einführung von ti&m Banking im Alltag Ihrer Bank am deutlichsten verändert? Wo sehen Sie heute den grössten Unterschied für Kundinnen und Kunden und für Mitarbeitende?
Stephan Bärtschi: Die Mitarbeitenden mit Kundenkontakt mussten selbst auch Erfahrungen mit ti&m Banking machen und sich an diverse Neuerungen gewöhnen, genau wie die Kundinnen und Kunden. Das spielte sich aber rasch ein. Vieles sieht nur auf den ersten Blick anders aus. Ein Kontoauszug bleibt ein Kontoauszug, für einen Zahlungsauftrag müssen die gleichen Daten wie vorher erfasst werden.
Wie ist das erste Feedback der Kundinnen und Kunden auf das neue Mobile und E-Banking?
Stephan Bärtschi: Menschen sind Gewohnheitstiere und verändern ihre Routinen nur ungern. Darauf muss man sich als Bank bei einem solchen Projekt einstellen. Deshalb fiel das Feedback zu Beginn nicht nur positiv aus. Vieles musste neu gefunden, neue Logiken mussten verstanden und gewisse Prozesse anders ausgeführt werden. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase wurde das neue System jedoch mehrheitlich positiv bewertet, besonders die One-App-Lösung für alle Devices wird zum Beispiel sehr geschätzt.
«Menschen sind Gewohnheitstiere und verändern ihre Routinen nur ungern. Darauf muss man sich als Bank bei einem solchen Projekt einstellen. Deshalb fiel das Kundenfeedback zu Beginn nicht nur positiv aus.»– Stephan Bärtschi
Was hat Sie nach dem Go-live am meisten überrascht? Gab es Effekte, die Sie so nicht erwartet hätten?
Stephan Bärtschi: Trotz intensivem Testing mit ausführlichen Testfällen gab es nach dem Go-live ein paar einschneidende Pain Points, die zu Verärgerung führten. Man kann in Testings wohl nie alles abfangen. Dies muss man bei einer solchen Migration akzeptieren. Wie rasch und flexibel ti&m auf die Pain Points teils reagieren konnte und Korrekturen oder Lösungen eingespielt hat, überraschte mich positiv.
ESPRIT Netzwerk AG
ti&m Special «Digitale Souveränität»