11. September 2019

« ti&m hat mich von Beginn an voll bei meiner Weiterbildung unterstützt »

Katharina_Bornschein_Blog

Katharina Bornschein ist Business Analyst bei ti&m und hat gerade ihre Masterarbeit mit Bestnote abgeschlossen. In ihrer Arbeit beschäftigte sie sich mit Mobilitätskonzepten der Zukunft und IT-induzierten Veränderungspotenzialen von Businessmodellen. Im Interview gibt sie einen Einblick in die Masterthesis und wie sie das Studium dank Liquid Working mit ihrer Arbeit vereinbaren konnte.

Hallo Katharina. Zunächst herzlichen Glückwusch zum Abschluss und der Topnote. Kannst Du vielleicht zunächst einen Einblick in das von Dir absolvierte Studium geben?

Es handelt sich um einen Executive Master in Business Administration an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz. Er richtet sich an Personen, die bereits berufstätig sind und über eine gewisse Berufserfahrung verfügen.

Wie hast Du das Studium empfunden?

Es war sehr spannend. Am interessantesten war für mich der Austausch mit meinen Kommilitonen, die aus völlig verschiedenen Branchen kommen. So bekam ich einen Einblick in deren Prozesse und Themen. Unter Umständen hat man ähnliche Probleme, auch branchenübergreifend. Das Studium war relativ weit gefächert. Angefangen bei Geschäftsprozessmanagement, über Bilanzanalyse, HR-Themen, bis hin zu Unternehmensgründung, internationalem Technologiemanagement und digitaler Transformation. Vier Semester habe ich studiert und da es berufsbegleitend war vor allem auch an Wochenenden, also Freitag, Samstag und Sonntag.

 

« Ehrlicherweise hat mir das Ausschlafen schon etwas gefehlt. »

 

Du hast also auch sehr viel Deiner Freizeit in das Studium investiert.

Genau. Ehrlicherweise hat mir das Ausschlafen schon etwas gefehlt.

Nach der Abgabe der Masterarbeit bist Du schon fertig mit dem Studium?

Ja. Im September wurden die offiziellen Urkunden bei einem Festakt übergeben. Jetzt bin ich fertig.

 

In Deiner Masterarbeit hast Du sicherlich einige Tage und Nächte investiert. Wie lief die Themenfindung bei Dir?

Ich wollte mich mit einem Thema beschäftigen, das wirklich eine Relevanz für die Gesellschaft hat und das mich auch persönlich interessiert.

Daher habe ich zunächst Handlungsfelder auf Grundlage aktueller Megatrends analysiert. Vor allem die Urbanisierung und die daraus resultierenden wachsenden Verkehrsströme haben mein Interesse geweckt. Hinzu kam, dass ich aktuell in einem SBB-Projekt mitarbeite. Daher mein besonderes Interesse für den Schienenpersonenverkehr. Aus der Kombination dieser beiden Faktoren sowie unter Berücksichtigung digitaler Transformationsprozesse habe ich erarbeitet, welche Geschäftsmodelle sich in der Zukunft realisieren lassen.

Wie bist Du für die Beantwortung dieser doch schwierigen Fragen vorgegangen?

Methodisch habe ich mich vorrangig auf den St. Gallen Business Model Navigator konzentriert. Dessen Grundidee ist, dass man durch die kreative Imitation und Rekombination bereits existierender Geschäftsmodelle neue Geschäftsmodelle entwickeln kann. Der Methodik des Business Model Navigators folgend, habe ich zunächst das aktuelle Geschäftsmodell und Ecosystem der Schienenpersonenverkehrsbranche untersucht. Zum Ecosystem gehören neben den relevanten Akteuren - das können sowohl Kunden als auch Partner und Wettbewerber sein - auch die relevanten Einflussfaktoren wie gesellschaftliche und Technologietrends: Big Data, künstliche Intelligenz, Internet der Dinge und Augmented Reality. Last but not least habe ich geschaut, wie sich diese Trends nutzen lassen, um neue Geschäftsmodelle für den urbanen Schienenpersonenverkehr zu innovieren.

Und was ist dabei rausgekommen?

Aus all diesen Faktoren konnte ich drei Geschäftsmodelle herausarbeiten, die ich dann im Business- Modell Canvas pivotiert habe.

Was waren Deine zentralen Erkenntnisse?

Am wichtigsten ist die Kundenzentriertheit. Sie ist das A und O aller Überlegungen. Die neuen Angebote müssen auf die dynamischen Bedürfnisse der Kunden hin ausgerichtet sein. Denn die Bedürfnisse sind grossen Wandlungen unterworfen und kennen keine Branchengrenzen. Dabei ist allerdings zu beachten, dass die Individualisierung von Angeboten auf Grundlage von Kundendaten in Harmonie mit dem heute immer wichtiger werdenden Datenschutz gebracht werden muss. Auf der anderen Seite ist die Datenhoheit, besonders über Kundendaten, wichtig, um nicht in die Abhängigkeit Dritter zu geraten.

Wie kann ich das verstehen?

Aktuell versuchen immer mehr Akteure, auch branchenfremde Unternehmen, mit Mobility-as-a-Service-Angeboten zum «Amazon» der Mobilitätsbranche zu avancieren. Bei ihren Geschäftsmodellen ist es zentral, an die Daten der Kunden zu kommen. Damit können sie dann auf die Kundenbedürfnisse zugeschnittene Angebote entwickeln. Die etablierten Player wie Deutsche Bahn oder auch SBB müssen meiner Ansicht nach, ihre bereits vorhanden Kundendaten besser nutzen, um neuartige Mobilitätsangebote zu entwickeln. Dies gilt insbesondere auch über die Schiene hinaus. Das könnte zum Beispiel auch eine Partnervermittlung in einem After-Work-Zug sein.

 

« Schienenverkehr ist kein Auslaufmodell. »

 

Das musst Du mir genauer erklären.

Durch die Urbanisierung gibt es immer mehr Pendler, die morgens und abends viel Zeit im Zug verbringen. Daher haben sie nicht mehr so viel Zeit für ihr Privatleben. Sie könnten die Zeit im Zug daher besser nutzen, um einzukaufen, Termine zu vereinbaren oder vielleicht auch einen Partner zu finden. Warum sollte ein Bahnunternehmen daher nicht eine Dating-Funktion in die App einbauen. Einen Versuch wäre es wert.

Hast Du auch selber schon ein Geschäftsmodell gefunden, das Du privat vertiefen möchtest?

Mobilität ist sowohl beruflich wie auch privat ein grosses Thema für mich. Ich bin immer viel unterwegs, auch viel im Ausland. Aber eine eigene Firma möchte ich im Moment nicht gründen. Mein Wissen möchte ich viel lieber für meine Arbeit bei ti&m einbringen.

Gab es bei Deiner Arbeit auch Erkenntnisse, die Dich überrascht haben?

Durch die Medien bekommt man schnell den Eindruck, dass der Schienenverkehr eher ein Auslaufmodell ist. Ich habe aber genau das Gegenteil herausgefunden: Der Schienenverkehr ist sehr aktuell und Teil der Antwort auf fast alle Probleme in Bezug auf Mobilität, die wir aktuell haben. Viele Lösungen sind natürlich auch mit der Strasse kombiniert. Denn die Letzte-Meile-Problematik wird man mit der Schiene alleine nicht lösen können. Ich bin durch meine Forschung und Gespräche mit Experten zudem zum Schluss gekommen, dass der Individualverkehr auf der Schiene vermutlich nicht kommen wird. Daher ist die Intermodalität für die Zukunft extrem wichtig.

 

« Cool war es natürlich auch, dass ich die von der ti&m gelebten Werte und Methodiken auch im Studium gut nutzen konnte: Agilität, Mut und Erfindertum. »

 

So ein Studium nimmt schon viel Zeit in Anspruch. Wie konntest Du das Studium und Deine Arbeit bei ti&m unter einen Hut bekommen?

Im Prinzip war es kein grosses Problem. Ich habe eine sehr grosse Flexibilität in meinen Arbeitszeiten und daher konnte ich es vereinbaren. Die Idee für das Studium kam von mir sehr spontan, quasi von heute auf jetzt, ich wurde aber von Beginn voll von ti&m unterstützt. Cool war es natürlich auch, dass ich die von der ti&m gelebten Werte und Methodiken auch im Studium gut nutzen konnte: Agilität, Mut und Erfindertum. Für die Arbeit an meiner Masterthesis konnte ich zudem die letzten sechs Monate auf 80 Prozent reduzieren. Ich hatte also den Freitag Zeit, um mich ganz meiner Abschlussarbeit zu widmen. Das hat mir sehr geholfen. Sonst wäre ich vermutlich gestresster aus dem ganzen Projekt herausgekommen.

Gibt es jemanden, der Dir besonders geholfen hat?

Ja! Mein besonderer Dank gilt Markus Nigg, unserem COO. Er hat mir sowohl bei der Themenfindung als auch in allen anderen Belangen super zur Seite gestanden. Markus hat mir bei Fragen weitergeholfen und auch Superkontakte für Recherchen und Expertengespräche vermittelt.

Du hast einen guten Einblick in die Mobilität sowohl in der Schweiz als auch in Deutschland. Siehst Du eines der Länder dort weiter vorne als das andere?

Ein Vergleich ist schwierig, da beide Länder komplett unterschiedlich aufgestellt sind. Ich persönlich bin durch den Super-ÖV in der Schweiz vom passionierten Autofahrer zu einem passionierten ÖV-Fahrer geworden. In Deutschland tut sich aber auch viel. Vor allem die Situation im Rhein-Main-Gebiet hat sich die letzten Jahre deutlich verbessert. Warum sollten wir nicht versuchen, zusammen mit ti&m die Region auch auf den Schweizer Standard zu bringen? Ich würde gerne einen Beitrag dazu leisten.

Was sind Deine nächsten Pläne in Bezug auf Weiterbildungen?

Ich möchte noch einen CAS an der ETH Zürich machen. Er beschäftigt sich mit der Mobilität der Zukunft und neuen Geschäftsmodellen. Es wäre die perfekte Vertiefung für das Thema meiner Masterarbeit.

Doktorat ist noch kein Thema?

Im Moment eher nicht. Ich brauche erst einmal eine Pause. Aber sage niemals nie. Denn ti&m hat immer spannende Projekte, wie etwa die lezzgo App, und vielleicht ergibt sich da noch etwas.

Dann wünsche ich Dir weiterhin viel Erfolg und wir hören bestimmt wieder voneinander.

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Christoph Grau ist seit September 2018 bei ti&m tätig und verantwortet die Medienarbeit. Davor arbeitete er mehr als vier Jahre als Redaktor und später als stellvertretender Chefredaktor bei einem grossen Schweizer IT-Fachmagazin. Er studierte Chinawissenschaften und Geschichte an der Freien Universität Berlin.