04. December 2020

«Meine Kunst stiess auf grosses Interesse von den Mitarbeitenden von ti&m»

Stefan Tschumi, Künstler von art@work 2020

Eine besondere Ausgabe von art@work liegt hinter uns. Erstmals fanden die Vernissagen grösstenteils virtuell statt. Erfahre im Interview vom Künstler Stefan Tschumi, wie er dies erlebte und wie er bisher durch die Corona-Krise gekommen ist.

Wie bist Du bisher durch das Corona-Jahr gekommen?
Stefan Tschumi: Ich habe zwei Mal am Tag gegessen, viel getrunken, viele Vitamine zu mir genommen. Zum Glück bin ich noch nie krank geworden dieses Jahr. Ich scheine ein funktionierendes Immunsystem zu haben, dafür bin ich sehr dankbar. Rein finanziell hat mir das Jahr bisher noch keinen Strich durch die Rechnung gemacht. Ich war bisher immer gut mir Video- und Fotografie-Arbeiten ausgelastet. Daher konnte ich mich dank meiner tiefen Fixkosten so gut über Wasser halten. Hilfe vom Bund habe ich lange nicht bekommen. Schlussendlich kam doch noch ein bisschen Hilfe an, die mir einige Sorgen nahm.

 

Wie hat das Deine Planung von art@work beeinträchtigt?Anfänglich dachte ich, dass der Lockdown ausreichen würde, um die Ansteckungen langfristig unter 1 Person pro Covid-Fall zu halten. Der ganze Sommer war ja relativ entspannt. Mit der zweiten Welle, in der wir ja momentan gerade tief drinstecken, rechnete ich nicht. Dementsprechend war ich auf die jetzige Planungsunsicherheit nicht vorbereitet. Wir dachten über verschiedene Optionen nach, die Ausstellung ins Virtuelle zu verlagern, mir wurde aber schlussendlich bewusst, dass die Werke online zu kurz kommen würden. So einigten wir uns auf ein geringeres Publikum und ich stellte die Werke dennoch physisch vor Ort aus.

 

Auf welches Werk bist du besonders stolz?
Dass ich alle Gesichter von ti&m mit einem Algorithmus zu einem Gesicht zusammenrechnen konnte und somit quasi das «Gesicht» von ti&m aufzeigen konnte. Es scheint ein Mann Mitte 30 mit Schnurrbart zu sein. (lacht)

Wie war das generelle Feedback auf Deine Werke?
Ich stiess auf grosses Interesse von den Mitarbeitenden von ti&m. Das liegt wohl am Thema das mich beschäftigt: Kontemporäre Computerkunst.

 

Wie zufrieden bist Du mit dem Absatz deiner Kunst? 
Generell geht es mir in der Kunst nicht so sehr um das Verkaufen. Klar ist es eine tolle Wertschätzung und ich habe immer Freude, wenn sich jemand ernsthaft für meine Werke interessiert. Ich mache jedoch Kunst, weil es mein eigenes und hoffentlich ab und zu das Leben von anderen bereichert.

 

Was läuft gerade bei Dir und was sind Deine nächsten Pläne?
In der Fotografie habe ich mich auf den dokufiktionalen Stil in der Werbung sowie auf Autowerbung spezialisiert. Damit finanziere ich meinen Lebensunterhalt. Aktuell schiesse ich gerade die Winterbilder für Mazda Europe. Das Musikvideo zum Song «Maybe Allison» von Sam Himself ist auch gerade erschienen. Da habe ich das Thema Männlichkeit aufgegriffen. Zudem ist meine Installation «Value Sculptures - Mutual Machines» im Aargauer Kunsthaus noch bis Mitte Januar zu sehen. Auch dieses Werk konnte ich neben Förderbeiträgen der Burgauer Stiftung und Pro Helvetia massgeblich wegen und mit ti&m umsetzen. Das Werk ist zusammengesetzt aus einem modifizierten Kryptorechner sowie einer Licht- und Tonskulptur. Die Installation bildet eine finanziell autarke Mikroökonomie und geht eine mutualistische Beziehung mit dem Museum ein. Diese entsteht, wenn ein Kunstwerk für seinen eigenen Stromverbrauch bezahlt, dafür aber eine Skulptur produziert. Das Werk dekonstruiert die Art und Weise, wie in unserer Gesellschaft Wert entsteht.

 

Wirst Du Dich wieder als Lehrer betätigen?
Ich habe grossen Respekt vor dem Lehrerdasein. Sie leisten sehr wichtige Arbeit. Kreatives Denken und Flexibilität ist sehr gefragt in der Zukunft. Daher kann es gut sein, dass ich früher oder später wieder ein kleines Pensum übernehme. Momentan liegt mir das gestalterisch Künstlerische mehr.

Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg bei Deinen weiteren Projekten.

Bilder von der Vernissage

 


Christoph Grau
Christoph Grau

Christoph Grau ist seit September 2018 bei ti&m tätig und verantwortet die Medienarbeit. Davor arbeitete er mehr als vier Jahre als Redaktor und später als stellvertretender Chefredaktor bei einem grossen Schweizer IT-Fachmagazin. Er studierte Chinawissenschaften und Geschichte an der Freien Universität Berlin.