11. Juli 2019

«Dank Liquid Working kann auch ich als Manager eine Auszeit nehmen»

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Die ti&m-Surfer Julio Naya und Andrea Magazzini werden mit Unterstützung von ti&m an der diesjährigen «Mongol Rally» teilnehmen. Ende Juli geht es los. Bisher gab es schon viele Herausforderungen. Wie sie diese meisterten und worauf Julio sich am meisten freut, darüber spricht er im Interview.

Wie seid Ihr eigentlich auf die Idee gekommen, das Abenteuer Mongol Rally anzugehen?

Julio Naya: Im Oktober 2018 war ich gerade dabei mir ein neues Auto zu kaufen und habe es Andrea in einer Pause gezeigt. Er hat mir daraufhin das günstigste Auto präsentiert, das er finden konnte. Ich fragte ihn, wofür er dies brauche und dann hat er mir von der Mongol Rally erzählt. Andrea schlug vor, diesen Sommer an der Rally teilzunehmen. Daraufhin haben wir uns spontan in 2-3 Minuten entschieden, es doch einfach zu machen.

Der Fiat Uno hat die Fahrt in die Schweiz gut überstanden, mein neues Auto jedoch nicht.

Wie ging es dann weiter?

Als Erstes haben wir ziemlich schnell damit angefangen, ein Auto zu suchen. Dazu sind wir an zwei Wochenenden nach Norditalien gefahren. Am zweiten Wochenende sind wir auf unseren Fiat Uno gestossen. Er hat super ausgesehen – gerade im Vergleich zu den anderen Autos, die wir bis dahin angesehen hatten. Er war noch top in Schuss und hatte nur rund 50'000 Kilometer auf dem Buckel. Der Vorbesitzer war ein alter Mann, der mit dem Auto vermutlich nur zum Einkaufen und zur Kirche gefahren ist. Ich glaube er war Pfarrer. Dann haben wir das Auto gekauft und es 2 Wochen später in die Schweiz gebracht. Wir sind immer abwechselnd mit meinem neuen Auto und dem Fiat Uno gefahren. Es lief auch sehr gut, bis Andrea auf die Idee kam, mein neues Auto zu verschönern und eine Leitplanke zu tuschieren. Der Uno hat die Fahrt aber sehr gut überstanden.

 

Wie hoch war der Schaden?

Rund 8’500 Franken: Zum Glück hatte ich eine Vollkasko-Versicherung. Ich bin mir nicht sicher, ob dies unsere Freundschaft sonst überstanden hätte. (lacht)

 

Was waren bisher die grössten Herausforderungen im Projekt?

Neben dem Spendensammeln war die grösste Herausforderung, ti&m als Hauptsponsor mit ins Boot zu holen. Wir haben die Story also gut vorbereitet und auf den richtigen Moment gewartet, um sie unserem CEO Thomas Wüst zu präsentieren. Nach einem Grashüpfertreff, bei dem es auch um Liquid Working ging, haben wir ihn abgepasst und kurz ein Video der Mongol Rally präsentiert. Er war ziemlich schnell von der Idee begeistert. Ich war total froh und auch ein bisschen überrascht. Ich hielt unser Vorhaben aber von Anfang an nicht für unmöglich. Danach konnten wir den Rest – Versicherungen, Visa und Ausrüstung – langsam organisieren.

 

Es geht bald los. Was fehlt noch?

Wir müssen noch eine Checkliste mit den letzten Kleinigkeiten machen, die bekanntlich aber sehr aufhalten. Wir müssen auch im Auto noch einiges montieren, beispielsweise den Dachgepäckträger. Dann müssen wir auch noch alles in Boxen organisieren, damit bei der Fahrt nicht alles kreuz und quer herumspringt.

 

Ganz unitalienisch.

Ja! Das bin ich. Ich lebe schon seit zehn Jahren hier und es hat abgefärbt.

 

Müsst ihr auch am Auto selbst noch etwas machen?

Wir überlegen uns, ob wir es vielleicht etwas höher legen lassen. In Europa ist dies aber schwierig zu machen, da man sehr viel basteln muss. Wir schauen unterwegs, ob wir es vielleicht in der Türkei irgendwo machen lassen können, dort sind die Leute eher gewohnt, so zu arbeiten. Noch haben wir auch keinen Bodenschutz für den Motor, vielleicht machen wir dies später noch.

 

Was gibt es sonst noch zu tun?

Wir sind beide keine Automechaniker. Daher müssen wir uns noch einige Youtube-Videos anschauen, um zu lernen, wie die typischen technischen Defekte behoben werden können – beispielsweise Zündkerzen wechseln. Wir werden die Videos sicherlich auch online speichern, damit wir sie immer zur Verfügung haben. Andrea ist auch noch dabei, einen Raspberry Pi zu programmieren, um ihn irgendwie mit dem Motoren-Interface zu verbinden und den Uno damit noch etwas digitaler zu machen.

 

Euer Teamname ist Argonauti in digi-Uno: Wie digital werdet ihr unterwegs sein?

Zwei Nullen haben wir schon: den Fahrer und Beifahrer, wie beim binären Code, der nur aus 1 und 0 besteht. Spass beiseite. Wir werden schauen, dass wir mit dem Raspberry Pi unsere Musik steuern können, denn ohne Musik können zwei Italiener (und Argentinier) nicht 2 Monate leben. Zudem sammeln wir die Motorendaten und Positionsdaten über den Raspberry Pi und wollen sie dann online zur Verfügung stellen. Wir haben jetzt auch einen Sensor Hat gekauft, den wir auf den Raspberry Pi aufsetzen können. Er sammelt Daten zu Position, Geschwindigkeit, Beschleunigung und Neigung. Wir nehmen auch einen Computer mit, um auf der langen Reise dann gegebenenfalls noch Anpassungen machen zu können.

Am meisten Respekt habe ich vor den Grenzübertritten.

Wovor hast Du am meisten Angst auf der Reise?

Ich habe keine Angst. Das Einzige, wovor ich Respekt habe, sind die Grenzübertritte. Dies ist immer eine ganz besondere Herausforderung, denn die Grenzpolizisten sind zumeist nicht sonderlich nett. Hinzu kommt auch noch die Sprachbarriere – wenn etwa ein Dokument fehlen sollte. Da habe ich Angst, dass einige Grenzbeamte sich quer stellen könnten. Wenn wir vorsichtig fahren, dann geht das Auto schon nicht so schnell kaputt. Wir können auch gut improvisieren und agil arbeiten. Ich bin eher organisiert und Andrea agil unterwegs, wodurch wir uns gut ergänzen.

 

Worauf freust Du Dich am meisten?

Ich habe jetzt fast 10 Jahre ohne grössere Unterbrechung gearbeitet, Ferien ausgenommen. Ich freue mich sehr, dass ich jetzt eine so lange Auszeit nehmen kann. Ich freue mich auch, dass wir so viele Länder und Regionen besuchen können, die nicht so touristisch sind. Wir werden sicher auch wunderschöne Landschaften in Europa und Asien sehen und mit anderen Kulturen in Kontakt kommen. Wir wissen auch nicht, was uns auf dem Weg alles erwartet, was ich sehr spannend finde.

 

Ihr habt auch schon eine grosse Party gemacht, um Geld für Wohltätigkeitsorganisationen zu sammeln. Wie lief es?

Es lief sehr gut. Etwa 100 Personen sind gekommen und wir haben von halb 10 bis 4 Uhr nachts gefeiert. Auch finanziell hat es sich ausgezahlt. 645 Franken konnten wir einsammeln. 

 

Habt Ihr nun schon die 1500 Pfund zusammen, die ihr laut der Mongol Rally sammeln müsst?

Ja. Aktuell haben wir ca. 2200 Franken zusammen. Es stehen auch noch weitere grössere Spenden aus. Vielleicht kommen auf unserer Abschiedstour bei ti&m in Zürich, Bern und Frankfurt auch noch weitere Spenden rein.

 

Wie einfach oder schwer war es, mit Liquid Working diese Auszeit zu organisieren?

Für einen Software-Ingenieur wie Andrea war es sehr einfach. Er musste die Auszeit nur rechtzeitig ankündigen und dann konnten wir es organisieren. Ich hingegen leite ein Team von 25 Mitarbeitern. Dies war etwas komplizierter. Ich musste für alle meine Aufgaben eine Vertretung finden. Dies habe ich jetzt aber abgeschlossen. Für die Projekte habe ich Projektleiter gefunden und andere Personen, die sich um die Kunden kümmern. Den Rest übernimmt mein Chef. Auch auf Manager-Ebene macht ti&m es möglich, eine Auszeit zu nehmen, was ich sehr gut finde.

 

Wie lange seid ihr dann weg?

Wenn alles gut läuft, dann sollten wir in zwei Monaten wieder zurück sein. Aktuell planen wir den 23. September.

 

Noch eine letzte Frage: Wie zufrieden bist zu mit der Bemalung durch unseren art@work-Künstler Drü Egg?

Sehr zufrieden! Das Auto sieht mega cool aus und es ist ein richtiger Eye-Catcher! Es sieht wirklich einzigartig aus.

 

Drü Egg, Julio und Andrea (v.l.) mit dem bemalten Auto.

Dann wünsche ich Euch viel Erfolg und wir werden weiter über Euer Abenteuer berichten.


Christoph Grau
Christoph Grau

Christoph Grau ist seit September 2018 bei ti&m tätig und verantwortet die Medienarbeit. Davor arbeitete er mehr als vier Jahre als Redaktor und später als stellvertretender Chefredaktor bei einem grossen Schweizer IT-Fachmagazin. Er studierte Chinawissenschaften und Geschichte an der Freien Universität Berlin.

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