27. September 2019

Mongol Rally Sprint 3: Von Usbekistan bis ans Ziel

Siegerfoto

Unsere Argonauten Julio Naya und Andrea Magazzini haben es mit letzter Kraft bis nach Ulan-Ude ins Ziel geschafft. Auf den letzten Kilometern mussten sie noch so einige Hürden überwinden. Mit etwas Glück, Agilität und vor allem einer gehörigen Portion Durchhaltewillen konnte sie aber nichts mehr aufhalten.

Beim letzten Update hatten wir unser Auto repariert und endlich Usbekistan verlassen. Leider mussten wir auf die Überquerung des Pamirs verzichten, um genügend Zeit für die Mongolei zu haben. Wir hatten das Gefühl, dass nun jetzt nichts mehr passieren kann. Wir wurden aber eines Besseren belehrt.

Nach Usbekistan besuchten wir Bishkek in Kirgistan, Almaty, Balkhash, Qaraghandy und Pavlodar in Kasachstan und Barnaul in Russland. In Qaraghandy machten wir uns auf die Suche nach einem weiteren Mechaniker und nach Ersatzteilen, da unser Auto wieder ein bisschen Liebe brauchte. Dort mussten wir als Kunde die Ersatzteile selber besorgen und der Mechaniker führte dann erst die Reparatur durch. Die Aufgabe war es also, die passenden Teile zu finden. Leider hatte keiner der über 20 besuchten Läden Fiat-Teile vorrätig. Die Samarkand-Geschichte wiederholt sich, dachten wir.

Alternativlösungen finden war angesagt und das hatte unser kasachischer Mechaniker voll im Griff. Er fand heraus, dass die Stossdämpfer der Mercedes-Benz C-Klasse aus den 90er Jahren in den Uno passen und baute diese ein. Vorne ersetzte er auch die fast kaputten Bremsleitungen durch BMW-Teile. Wunderbar, unser Fiat Uno war nun ein Italo-Deutsch-Hybrid. «Best of Breed» nennt man das in der IT.

Im Konvoi durch die Mongolei

So konnten wir unseren Weg problemlos fortsetzen. Wir verliessen Kasachstan, durchquerten einen Teil Russlands und kamen schliesslich an der Grenze zur Mongolei an. In diesen Tagen schlossen wir uns mit drei anderen Teams zusammen und fuhren nun im Konvoi. Insgesamt waren wir 10 Personen.

  • «The D» (instagram @isawthed), ein kleiner Daihatsu Van aus den 90er Jahren mit einem 3 Zylinder und 1.0-Liter Motor. Das Team bestand aus Jeremy aus Neuseeland, Garrett aus den USA und Sören aus Deutschland. Sie waren bestens vorbereitet.
  • «Little Miss Adventurists» (instagram @littlemissadventurists), ein Fiat Panda Automatik Jahrgang 2006 (davon muss es wahrscheinlich nur 2-3 in der Welt geben, wer kauft schon einen Fiat Automatik). 3 Frauen aus Israel, Kanada und den USA: Racheli, Adina und Alicia.
  • «Malczyk’s Mystery Machine» oder «Misty», ein wunderschön dekorierter Seat Arosa Jahrgang 2004. Hier waren die Malczyk Brüder aus England, Oliver und Andrew, am Lenkrad.

Die Grenze zu überqueren hat wohl über 4 Stunden gedauert, aber wir waren schon daran gewohnt. Danach gingen wir offroad. Da wir für den Uno extra Offroad-Reifen montiert hatten, schien er das Gelände auch locker meistern zu können. Wir machten zwei Drag Races mit den anderen Teams und haben beide Mal gewonnen. Wir sind zwar nie mehr als 60 km/h gefahren, aber mit diesen Autos und offroad fühlte sich das sehr viel schneller an.

In den darauffolgenden Tagen übernachteten wir häufig zusammen. Gemeinsam lösten wir viele kleine Probleme, machten schöne Bilder und lernten uns gegenseitig besser kennen. Am zweiten Tag in der Mongolei hatte «Misty» bereits die dritte Reifenpanne innerhalb von wenigen Tagen. Wir spendeten also unsere zwei hinteren Offroad-Reifen an «Misty».

150 Kilometer am Abschleppseil durch die Mongolei

Der 4. Tag in der Mongolei war ohne Zweifel der schwierigste Tag der gesamten Rally. Nachdem wir 150 Kilometer offroad gefahren waren und einige kleinere Pannen bei anderen Teilnehmern bewältigt hatten, erwischte es die Argonauti wieder einmal. Das Auto prallte mit dem Unterboden gegen einen im Sand versteckten Stein. Dabei ging der Auspuff kaputt. Leider schlug auch der Ölfilter Leck und das Auto war innerhalb von wenigen Minuten ohne Öl.

Zum Glück erlitten wir keine Motorschäden, aber die Weiterfahrt war ohne neuen Ölfilter unmöglich. Das nächste Dorf befand sich 150 Kilometer weiter östlich und es gab keinen Handy Empfang.

Nach einigen Diskussionen entschied Andrew Malczyk uns mit seinem Kleinwagen «Misty» die 150 Kilometer offroad abzuschleppen. Er war unser Held!

Und so sind wir weitergefahren. Das Team «The D» fuhr voraus, um einen Ersatz-Ölfilter zu besorgen. Dies schafften sie aber leider nicht. Daraufhin sind «Little Miss Adventurists» und die Malczyks mit uns weitergefahren. Andrew fuhr «Misty» und schleppte uns 8 Stunden lang ab, Tag und Nacht. Unser Auto mussten wir durch 4 Flüsse ziehen. Die Flüsse waren so tief, dass wir teils händisch im Wasser schieben mussten. Nach ein paar Stunden war auch die Batterie leer. So schleppten wir das Auto ohne Bremsunterstützung vom Motor, ohne Licht und ohne Heizung durch die Nacht.

Um 2:30 Uhr erreichten wir schliesslich Bayankhongor. Vor Freude jubelten wir laut: «Team, Team, Team» und feierten unseren Erfolg mit einem Abendessen ausserhalb des Dorfes. Wir verabschiedeten uns um 3:30 Uhr vom schwierigsten Tag unseres Abenteuers. Wir waren extrem müde aber immer noch ungeschlagen.

Am nächsten Tag fanden wir schliesslich nach einigen Schwierigkeiten einen passenden Ölfilter. Mit der Hilfe vom Team «The D» demontierten wir den kaputten Auspuff und sind so, ganz laut und happy weitergefahren.

Ersthelfer bei Unfall

Als wir schliesslich die Hauptstadt Ulan-Bator erreichten, war unsere Moral sehr hoch. Wir gönnten uns ein Abendessen in einem nordkoreanischen Restaurant und sind am nächsten Tag Richtung Dschingis Khan Statue weitergefahren.

Auf dem Weg dahin sahen wir einen Wagen, der auf seiner Seite lag. Plötzlich erkannten wir die Farben, es waren die Jungs aus Malta vom Team «Lapazz», die mit einem ähnlichen Wagen wie das Team «The D» unterwegs waren. Nach einer Notbremsung geriet das Auto auf die Gegenspur und stiess mit einem Auto im Gegenverkehr frontal zusammen. Einer der Jungs musste ins Krankenhaus. Wir waren die Ersten vor Ort und halfen den anderen 3 betroffenen Personen. Dschingis Khan musste warten, aber nicht lange.

Mit letzter Kraft über die Ziellinie

Zwei Tage und einige hundert Kilometer später erreichten wir endlich da Ziel in Ulan-Ude. Viel weiter hätte uns das Auto auch nicht getragen. Wir hatten 4 kaputte Stossdämpfer, Öl- und Wasserverlust, der Auspuff lag auf dem Dach und kurz vor dem Ziel war eine Feder gebrochen. Sogar der russische Mechaniker riet uns von einer Weiterfahrt ab. Aber nichts konnte uns stoppen. Mit letzter Kraft fuhren wir mit 20 km/h, fast kriechend, über die Ziellinie.

Die Freude war immens, als wir auf dem Podium auf dem Dachträger unseres Fiat Unos standen. Wir umarmten uns und hielten den Auspuff in unseren Händen. Wir hatten es geschafft!!!

Das Gefühl des Erfolgs nach all den Strapazen ist unbeschreiblich. Wir waren euphorisch und überglücklich, wir hatten das grösste Abenteuer unseres Lebens gemeistert. Wir waren über 16‘500 Kilometer durch all die Länder und das Gelände gefahren. Wir haben viele spannende und hilfsbereite Personen kennengelernt und zahlreiche neue Freunde gewonnen. Und zum Schluss sammelten wir sogar mehr als 11‘000 CHF für unsere beiden Hilfsorganisationen! Am Ende kann ich sagen, es war die Mühe wert.


Julio Naya
Julio Naya

Julio Naya ist seit 2014 bei ti&m tätig. In dieser Zeit stieg er vom Projektmanager zum Head Java Enterprise und Associate Principal auf. Er leitet ein Team von 20 Software-Ingenieuren.

Weitere Blogbeiträge

PSD2 750x410
PSD2 mit XS2A in der Umsetzung: Eine Prognose

Mehr erfahren
ALD lead
Software-Architektur im agilen Umfeld – ein Workshop der anderen Art

Am Agile Leadership Day 2018 war ti&m prominent vertreten. 35 Teilnehmer erfuhren in einem Workshop, wie Software-Architektur im agilen Umfeld aussehen kann.

Mehr erfahren
Laptops für newTree Burkina Faso
14 Laptops für newTree Burkina Faso

Seit 15 Jahren setzt sich newTree für die Regeneration der Natur als Basis für eine nachhaltige Armutsbekämpfung in der Sahelzone Afrikas ein. Bei ihrem letzten Projektbesuch im Dezember 2015, durfte newTree-Projektleiterin Franziska Kaguembèga-Müller die Mitarbeitenden der Partnerorganisation tiipaalga mit einem ganz besonderen Präsent überraschen: 14 neuwertige Fujitsu Laptops, gesponsert von der ti&m, für die Techniker, Animatricen und Administrations-Mitarbeitenden.

Mehr erfahren
Digitalisierung total - die Vernetzung der Dinge
Digitalisierung total - die Vernetzung der Dinge

Editorial: 1 Milliarde PCs, 5 Milliarden Smartphones und geschätzt zwi­schen 50 und 100 oder mehr Milliarden vernetzte Dinge, das sind die prognostizierten Zahlen per 2020. Die neue Ausgabe vom ti&m special beleuchtet, inwiefern sich reale und virtuelle Welt immer mehr vermischen und welchen Einfluss FinTech-Unternehmen und Start-ups dabei haben.

Mehr erfahren
Microsoft inspire
Microsoft Inspire 2019 – get inspired by cloud

Vom 14. bis 18. Juli 2019 hat Microsofts globale Partnerkonferenz Inspire stattgefunden. Fokus der Inspire war das Thema Cloud und wie diese Technologie unsere Zukunft beeinflusst. Als Microsoft Gold Partner war ti&m vor Ort und hat sich inspirieren lassen.

Mehr erfahren